Der globale Kleidungskonsum hat große Auswirkungen auf das Klima, die Umwelt, Menschen und Tiere. Die Textilindustrie ist einer der umweltschädlichsten Produktionszweige der Welt. Die UNECE (United Nations Economic Commission for Europe) hat die Textilindustrie als „an environmental and social emergency“ bezeichnet (UNECE).

Der globale Kleidungskonsum hat sich vom Jahr 2000 bis 2015 auf 100 Mrd. Kleidungsstücke verdoppelt. Die Textilproduktion wird sich von 2017 bis 2050 auf 300 Mio. t pro Jahr verdreifachen (Ellen Mac Arthur Foundation).

Wir Deutschen sind beim Konsum von Bekleidung ganz weit vorn mit dabei. Durchschnittlich kaufte im Jahr 2015 ein/e Deutsche/r 15 kg Bekleidung, während der globale Konsum im Mittel bei 8 kg lag (Bundesumweltministerium).

Dieser Überkonsum führt dazu, dass 40 % der Kleidung nahezu ungenutzt in unseren Kleiderschränken liegt (Greenpeace). So wird ein Party-Top durchschnittlich nur 1,7-mal getragen (CIR). Gleichzeitig hat sich die Tragedauer von 2001 bis 2016 halbiert (Mac Kinsey & Company).

Es gibt zahlreiche Gründe dafür, dass ein grundlegender Wandel der Textilproduktion und unseres Konsums erforderlich ist. Wir haben im folgenden die wesentlichen Fakten, die die Textilbranche zu einer der umwelt- und sozialschädlichsten Industrien macht, zusammengetragen.

Klimafolgen

Im Jahr 2015 stammten 3,4 % der globalen CO2-Emissionen aus der Textilindustrie (Ellen Mac Arthur Foundation). Das war mehr als der gesamte kommerzielle Personen-Flugverkehr im Jahr 2018, der 2,6 % der globalen Emissionen ausgemacht hat (ICCT Report). Vom Rohstoff bis zum Endprodukt „reisen“ viele Kleidungsstücke von Land zu Land, da jeder einzelne Fertigungsschritt dort passiert, wo die Produktionskosten hierfür am niedrigsten sind. Das führt dazu, dass Kleidungsstücke, die hier im Regal liegen, zwischen 20.000 und 50.000 km zurückgelegt haben (WWF). Die Produktion von 10 Jeans erzeugt so viel CO2 wie ein Flug von Berlin nach München (CIR).

Wasser

Die Modeindustrie ist für 10 % des gesamten industriellen Wasserverbrauchs verantwortlich (CIR). Insbesondere die konventionelle Baumwollproduktion benötigt sehr viel Wasser. Weltweit besteht fast die Hälfte der Bekleidung aus Baumwolle (WWF). Für ein Kilo Baumwolle werden zwischen 7.000 und 29.000 Liter Wasser benötigt (WWF). Für eine Jeans werden ca. 10.000 Liter Wasser benötigt (WWF). Weltweit werden ca. 1,8 Milliarden Jeans pro Jahr verkauft, das sind 60 Jeans und damit 600.000 Liter Wasser pro Sekunde (DVV International).

Chemikalien

Für das Glätten, die Veredelung und die Imprägnierung werden 7.000 bis 8.000 verschiedene Chemikalien und für das Färben rund 4.000 unterschiedliche Farbstoffe eingesetzt (Greenpeace-Magazin, Textilfibel 2016, S. 31). Für 1 kg Baumwolle wird ca. 1 kg Chemikalien verwendet, von denen die meisten ungefiltert in die umliegenden Gewässer abgeleitet werden (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Würtemberg). 25 % des Gewichts eines T-Shirts machen Chemikalien aus, die wir auf der Haut tragen (Umweltinstitut München e. V.). Etwa 20.000 Menschen sterben weltweit jährlich an den Folgen einer Pestizidvergiftung beim Baumwollanbau (Umweltinstitut München e. V.).

Arbeitsbedingungen

Jede/r sechste Erwerbstätige weltweit arbeitet in der Textilindustrie. Es ist die drittgrößte Fertigungsindustrie der Welt. Der Anteil der Kinderarbeit ist hoch, genaue Zahlen hierzu gibt es nicht (CIR). Etwa 300.000 junge Frauen werden in Indien als Textil-Sklavinnen gehalten (Terre des hommes). Der Lohn in den Produktionsländern liegt oft weit unter den Lebenshaltungskosten (Clean Clothes Campain). 27 Mio. Arbeiter*innen leiden unter arbeitsbedingten Erkrankungen (Umweltinstitut München e. V.).

Flächennutzung

Der Anbau von Baumwolle benötigt viel Bodenfläche (Südwindinstitut für Ökonomie und Ökumene). Diese Flächen stehen dann nicht mehr für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung, die in den Anbauländern dringend benötigt werden (Wuppertalinstitut). Durch die starke künstliche Bewässerung versalzen die Böden, die dann unfruchtbar werden. Der massive Einsatz von Pestiziden und Dünger schädigt die Böden langfristig (Umweltinstitut München e. V.).

Müll

Die Fast- und Ultra-Fast-Fashion-Industrie (52 Kollektionen im Jahr) verursachen immense Mengen an Textilmüll. 230 bis 460 Mio. Kleidungsstücke werden in Deutschland gar nicht erst verkauft (Welt). 35 % des Textilmülls entsteht schon bei der Fertigung (Brodde/Zahn, Einfach anziehend). Lediglich 25 % aller Textilien in Deutschland werden recycelt. Ein Großteil davon wird downgecycelt, zum Beispiel zu Putzlappen (Greenpeace). Textilrecycling ist technisch sehr aufwändig und teuer. Viele Mischfasern sind derzeit gar nicht recyclingfähig (Greenpeace-Magazin, 2016. Textilfibel, S. 26-27). Lediglich ca. 1 % der weltweit gesammelten Altkleider wird zu neuen Kleidungsstücken (Ellen Mac Arthur Foundation).

Allein in Deutschland entsprechen die jährlichen Altkleidermengen 62.000 LKW-Ladungen, die aneinandergereiht von Flensburg bis Innsbruck reichen würden (Dachverband Fairwertung e. V.).

Tierwohl

Rohstoffe tierischen Ursprungs zur Herstellung von Textilien werden unter Missachtung des Wohles der Tiere gewonnen. Wolle stammt in der Regel von Schafen, denen ohne Narkose Hautlappen um den After herum herausgeschnitten werden. Diese Praxis nennt man "Mulesing" (nach John Mules). Diese quälerische Prozedur wird vollzogen, um einen Befall mit Ungeziefer zu verhindern. Die Anfälligkeit für den Ungezieferbefall besteht aber überhaupt nur, weil die Schafe so gezüchtet wurden, dass sie möglichst viel Haut haben, damit man so viel Wolle wie möglich herausbekommt. Mulesing ist in Deutschland und Neuseeland aus Tierschutzgründen verboten, in Australien, einem der größten Lieferanten für Wolle und in Asien aber erlaubt und weit verbreitet. Auch die Wolle von Angora-Kaninchen und Kaschmir-Ziegen wird in den allermeisten Fällen unter Qualen für die Tiere gewonnen. Auch für Seide werden Tiere gequält und sogar getötet. Für 450 g Seide sterben ca. 3.000, indem sie mit kochendem Wasser übergossen werden. Für Pelze werden überall auf der Welt Tiere nicht artgerecht und unwürdigen Bedingungen gehalten. Jedes Jahr sterben ca. 70 bis 80 Mio. Tiere, damit ihre Pelze verarbeitet werden können (PETA Deutschland e. V.)

Gebrauch und Pflege

Ca. 30 % der CO2-Emissionen, die ein Baumwoll-Shirt von der Produktion bis zur Entsorgung freisetzt, entfallen auf die Gebrauchsphase durch das Waschen, Trocknen und Bügeln (Hamburger Abendblatt, 2009. Bekleidung durch die CO2-Lupe betrachtet).

Beim Waschen von Textilien, die auf der Basis von Erdöl hergestellt werden, entsteht Mikroplastik, das nur teilweise in den Klärwerken aufgefangen wird. Insgesamt stammt ca. 35 % des Mikroplastiks in der Umwelt aus synthetischen Textilien (BUND, 2018. Mikroplastik aus Textilien). Die Menge des Mikroplastiks hängt vom jeweiligen Material ab. Fleecestoffe verlieren besonders viele Mikrofasern, ca. 1 Mio. pro Waschgang (Quarks WDR, 2019. Fasern aus syntethischer Kleidung sind die Hauptquelle der Mikroplastikverschmutzung im Meer).

Online-Shopping

Das Einkaufen in Läden wird immer unpopulärer. Viele Menschen bestellen lieber von zu Hause aus in einem der zahlreichen Online-Stores. Unabhängig davon, welche anderen Auswirkungen das Online-Shopping hat, ist dies nicht immer mit einer größeren Umweltbelastung verbunden. Die Umweltschädlichkeit des digitalen Einkaufens hängt vielmehr von vielen Faktoren, insbesondere aber auch davon ab, wie hoch die Quote der Retouren ist und was mit die Läden mit den Retouren machen. In Deutschland werden jeden Tag ca. 800.000 Pakete zurückgeschickt. Viele Hersteller vernichten Retouren, was eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen darstellt. Auch gibt es einen Trend, die Bearbeitung von Retouren in Billiglohn-Länder zu verlegen, was wiederum längere Transportwege bedeutet.

Viele nachhaltige Modelabel bieten ihre Ware nur in einem Online-Shop an. Es ist unserer Meinung nach auf jeden Fall vorzuziehen, dort seine Bekleidung zu kaufen, als konventionelle Ware im Laden. Versuche so sorgfältig wie möglich auszuwählen, um Retouren zu vermeiden. Wähle, wenn möglich, Versand in gebrauchter Verpackung oder tue Dich bei Deiner nächsten Bestellung mit einer Freundin zusammen.