Neben großen, bereichsübergreifenden Lösungen wie die mögliche Nutzbarmachung von Blockchain mittels transparenter Lieferketten und der Erfassung von CO2-Emmissionen sowie der Optimierung unseres Energienetzes kommt es vor allem auf individuelle Entscheidungen an. Wir als Konsument:innen digitaler Angebote können selbst darüber entscheiden was, wo, wie oft und wie wir diese Angebote nutzen. Kaufentscheidungen zu hinterfragen und unser Konsumverhalten kritisch zu reflektieren schont nicht nur unseren Geldbeutel, sondern fördert auch einen achtsamen Umgang mit Netflix, Amazon Prime, Spotify und Co.

Doch wir wissen alle, dass lang antrainierte Gewohnheiten nicht einfach von heute auf morgen verschwinden und das ist eigentlich auch gut so. Denn stell dir einmal vor, du würdest vergessen, wie man sich richtig die Zähne putzt... Nicht auszudenken, wie wir dann unseren Alltag bestreiten würden. Leider unterscheidet unser Gehirn dabei nicht zwischen schlechten und guten Gewohnheiten, deshalb braucht es Geduld und Zeit, um eine schlechte Gewohnheit wieder loszuwerden. Es ist übrigens leichter alte mit neuen Gewohnheiten zu überschreiben als weiter nach der Entfernen-Taste zu suchen.

Anstatt also komplett auf das Streamen von Videos und Musik zu verzichten, könntest du deinen Serienkonsum reduzieren und deine Lieblingsmusik herunterladen statt sie jedes Mal neu zu streamen.

In einer Welt, in der uns ständig suggeriert wird, wir bräuchten unbedingt das neuste Smartphone (und das am besten alle zwei Jahre) und müssten die neue Netflixserie bingewatchen (Stichwort FOMO), ist es alles andere als einfach gegen den Strom zu schwimmen. Die Marketingstrategien der Unternehmen zu entlarven und sich mit den Grundideen von Minimalismus zu beschäftigen kann dabei helfen sich nicht von der nächsten Strömung in die Tiefe ziehen zu lassen, sondern den Kopf über Wasser zu halten und schwimmen zu lernen. Ganz in deinem Stil und deinem Tempo.

Aus der eigenen Comfort Zone heraustreten und sich ehrlich und kritisch mit dem eigenen Digitalkonsum auseinanderzusetzen erfordert Mut. Aber ich verspreche dir, dass es sich lohnt. Für dich, mich und unseren Planeten.

Los geht's!

Unter Tipps und Links findest du konkrete Adressen für Onlinestores, Bücher, Filme, Vorträge u.v.m. Du kannst also direkt loslegen!

Du machst einen Unterschied

Vielleicht schüttelst du gerade den Kopf. Ich allein mache doch keinen Unterschied. Die Entscheidungen des Individuums ändern doch nichts an der kollektiven Stimmung im Land. Ich behaupte, dem ist nicht so. Natürlich braucht es bereichsübergreifende Lösungen seitens Politik und Wirtschaft, das heißt aber nicht, dass dein Digitalkonsumverhalten keinen Unterschied macht. Du kannst zum Vorbild für andere in deinem Umfeld werden und ihnen Tipps geben, sie mitreißen und dazu motivieren selbst weniger zu streamen, bewusster zu konsumieren und Elektrogeräte so selten wie möglich auszutauschen. Wer weiß, vielleicht kommt dein:e Freund:in schon bald mit einem fair oder shift phone um die Ecke?

Dein persönlicher Gewinn

Obwohl die positiven Auswirkungen auf Umwelt und Produktionsländer eigentlich ausreichen sollten, um dich davon zu überzeugen deinen Digitalkonsum zu überdenken, weiß ich selbst aus eigener Erfahrung wie wichtig ein Extra-Ansporn sein kann. Denn von deinem veränderten Konsum profitieren nicht nur die Coltansammler:innen im Kongo, sondern auch du selbst.

  • Du fühlst dich gut, weil du nicht mehr so lange vor'm Bildschirm hängst.
  • Du hast mehr Zeit für dich, deine Freund:innen und Familie, weil du weniger Netflix streamst.
  • Du schonst deinen Geldbeutel, weil du nicht mehr das neuste iphone kaufst.
  • Du musst deine alten Handys nicht mehr in deiner Schublade verstecken, weil du sie immer zu Sammelstellen bringst.
  • Du lernst vielleicht, wie du dein Handy selbst reparieren kannst.
  • Du fühlst dich den Menschen in der Produktionskette deiner alten Smartphones viel näher, der Kongo scheint plötzlich doch greifbar.
  • Du unterstützt von nun an faire Arbeitsbedingungen.
  • Du reduzierst deinen CO2-Fußabdruck.
  • Du fühlst dich rundum gut, weil du in Einklang mit deinen Werten lebst!

DU BIST TEIL DER LÖSUNG!

Dein Weg zum nachhaltigen Digitalkonsum

  • Das nachhaltigste Smartphone ist das, das du nicht kaufst.
  • Du musst nicht jede neue Serie gesehen haben. Sei kritischer und schau dir nur an, was dir wirklich gefällt.
  • Schau deine Lieblingsserie vielleicht auch mal in niedriger Qualität. Es muss ja nicht immer gleich die 8K-Auflösung sein.
  • Bleib achtsam und verwende nicht mehrere elektronische Endgeräte gleichzeitig. Konzentrier dich auf das YouTube-Video, surf im Internet oder lies deine neuesten Signal-Nachrichten. Dabei sparst du 'ne Menge an Datenvolumen.
  • Gehe auch mal bewusst für ein paar Stunden oder Tage offline. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für dich.
  • Gibt es Musik, die du immer wieder hörst? Dann lade sie herunter anstatt sie jedes Mal neu zu streamen.
  • Entrümple dein Handy: Alle Apps, die du schon länger als einen Monat nicht genutzt hast, kannst du guten Gewissens deinstallieren.

Wenn du ganz konkret wissen möchtest, was du tun kannst, dann schau' dir unsere Challenges an!

Diese Challenges helfen dir

Du bist dir nun sicher, dass du etwas an deinem Digitalkonsum verändern möchtest, weißt aber nicht, wo du anfangen sollst? Wir haben hier ein paar konkrete Challenges für dich gesammelt, damit du gleich anfangen kannst. Such dir eine aus und frag vielleicht eine:n Freund:in oder ein Familienmitglied, ob er*/sie* nicht vielleicht auch mitmachen will. So könnt ihr euch gegenseitig motivieren!

  • Du hörst das neue Album von K.I.Z., Taylor Swift oder Kummer in Dauerschleife? Dann lad sie dir runter und schwupps sparst du 'ne Menge an Datenvolumen.
  • Miste mal aus. Hol die alten Handys aus den Schubladen und bring sie zu einer Sammelstelle (du kannst zum Beispiel das Projekt der NABU unterstützen).
  • Benutze dein aktuelles Handy solange es funktioniert.
  • Schütze dein Handy mit einer Hülle (z.B. aus Kork oder Filz), damit es möglichst lange heile bleibt.
  • Sollte es doch einmal kaputt gehen, versuche es reparieren zu lassen.
  • Dein Handy funktioniert gar nicht mehr? Dann kauf dein nächst doch gebraucht über rebuy, refurbed, asgoodasnew oder backmarket.
  • Auch faire Handyproduzenten wie fair phone oder shift phone stellen eine Alternative zu kommerziellen Herstellern dar. Schau dort mal vorbei, falls du wirklich ein neues Smartphone brauchst.
  • Du schaust viel Netflix? Dann kompensier deine CO2-Emissionen doch mit Plantyflix! Von dem Geld werden im Anschluss Bäume gepflanzt.
  • Schalte deinen Laptop ganz aus, wenn du ihn nicht benutzt und klappe ihn nicht einfach nur zu.
  • Schalt mal ab. Genau, du hast richtig gehört. Leg dein Handy mal für eine Stunde, einen Tag oder eine Woche zur Seite oder benutze es zumindest nur für wirklich wichtige Dinge.
  • Verwende Ecosia oder Gexsi statt Google.
  • Wechsel zu einem grünen E-Mail-Anbieter wie Posteo oder Mailbox.
  • Installiere Ad-Blocker in deinen Browsern.
  • Wechsel zu Ökostrom, falls du das nicht schon getan hast.
  • Schau dir einen Film zum Thema an (z.B. Behind the Screen oder The Kongo Tribunal).
  • Lies ein Buch, z.B. das kostenlose Was Bits und Bäume verbindet (den Link findest du unter Tipps & Links).
  • Sprich mit einer Person in deinem Umfeld über nachhaltigen Digitalkonsum.
  • Organisiere eine (digitale) Veranstaltung zum Thema an deiner Schule/Universität/Hochschule (oder einfach bei dir Zuhause).
  • Informier dich weiter über nachhaltige-digitalisierung.de!