Die Bedeutung der Ernährung

„Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.“ – Albert Einstein

Schon Albert Einstein wusste, dass die Ernährung ein entscheidender Faktor im Hinblick auf Klimaschutz und unser Überleben auf der Erde ist. Allein durch die Nutztierhaltung werden zwischen 14,5 % (FAO) und 51 % (World Watch Institut) der gesamten globalen Treibhausgasemissionen verursacht. Für die Haltung der Nutztiere werden rund ein Drittel der gesamten Landoberfläche der Erde beansprucht.

Außerdem ist die Landwirtschaft für 70 % des globalen Frischwasserverbrauchs verantwortlich (FAO).

Was wir essen, beeinflusst also nicht nur unsere Gesundheit, sondern hat auch weitreichende Auswirkungen auf das Klima, auf Ökosysteme und auch auf andere Menschen, die in der Lebensmittelproduktion arbeiten.

Doch woher kommt eigentlich die Nahrung, die wir tagtäglich zu uns nehmen? Und welche Auswirkungen hat unsere Ernährung auf die Umwelt, Tiere und auf andere Menschen?

Wir geben euch hier einen Überblick über die Probleme im Zusammenhang mit unseren Lebensmitteln. Unter Tipps findet ihr im Anschluss weitere Anregungen zu einer nachhaltigen Ernährung.

Emissionen

Die Fleischproduktion hat einen großen Anteil an den Gesamtemissionen in Deutschland (8,2 %, bezogen auf 2020). Somit war die deutsche Landwirtschaft im Jahr 2020 für insgesamt 60,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente verantwortlich (Umweltbundesamt). Dabei machen die Methan-Emissionen, die bei der Rinderhaltung entstehen, mit 50,1 % den Hauptanteil an Treibhausgasemissionen innerhalb des Landwirtschaftssektors aus.

Global betrachtet sind die fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als einer der großen Ölkonzerne ExxonMobil, Shell oder BP (Institute for Agriculture & Trade Policy).

Der Durchschnittsdeutsche verzehrt im Jahr rund 58,6 kg Fleisch (OECD). Das entspricht ungefähr 367 kg CO2 (IFEU). Diese Menge entspricht den Emissionen, die bei der Fahrstrecke mit einem mittelalten Benziner (Baujahr 2009 bis 2014) von Hamburg nach Barcelona ausgestoßen werden (Quarks). Der Fleischkonsum schlägt sich also erheblich im persönlichen CO2-Fußabdruck nieder. Der Fußabdruck von einem Kilo Rindfleisch beträgt beispielsweise 13-30 kg CO2-Äquivalente, wohingegen ein Kilo Fleischersatz auf Sojabasis nur 1,1-2,8 kg CO2-Äquivalente verursacht (IFEU; Umweltbundesamt).

Mit der Entscheidung, weniger Fleisch zu essen oder sogar ganz darauf zu verzichten, kannst du etwas Gutes fürs Klima und deine eigene Gesundheit tun - und das sofort mit sehr geringem Aufwand. Unter Tipps findest du tolle vegetarische und vegane Rezeptideen. Los geht's!

Lebensmittelverschwendung

In jedem Schritt der Lebensmittelkette - von der Ernte über die Produktion bis zu den Verbraucher*innen - werden unglaubliche Mengen an Lebensmittel verschwendet. In Deutschland landen im Jahr ca. 12 Mio. Tonnen Lebensmittel im Müll. Ungefähr 1,4 Mio. t (12 %) der verschwendeten Lebensmittel fallen schon bei der Primärproduktion (Ernte, Lagerung, Sortierung, Transport) an und 2,2 Mio. t (18 %) bei der Verarbeitung. Allein in der Fleischproduktion sterben hierzulande fast 100 Mio. Tiere, ohne dass ihr Fleisch jemals verzehrt wird. Oft sterben sie an den schlechten Haltungsbedingungen oder werden aus wirtschaftlichen Gründen getötet, wie es z.B. bei männlichen Küken der Fall ist (Fleischatlas, 2021). Im Handel entstehen im Jahr 0,5 Mio. t (4 %) weggeworfene Lebensmittel, während 1,7 Mio. t (14 %) bei Außer-Haus-Verpflegungen (Restaurants, To-Go) anfallen (BMEL). Die Gründe dafür sind vielfältig. Beispielsweise werden Obst und Gemüse oftmals aussortiert, weil sie nicht den EU-Normen oder den vermeintlichen optischen Anforderungen der Verbraucher*innen entsprechen. (Agrar Koordination, 2013. Nahrungsmittelproduktion und -verschwendung). Ernteverluste, Überproduktion, fehlerhafte Verpackungen oder Absatzprobleme sorgen zudem für zusätzliche Lebensmittelabfälle (Ernährung und Verbraucherbildung 2012). Gerade der Verlust im Handel wären aber zu ca. 90 % vermeidbare Lebensmittelabfälle. Ähnliches gilt für die Verschwendung in Restaurants oder Kantinen durch falsche Planung oder zu großen Portionen (WWF, 2015 b. Das große Wegschmeißen).

Doch der mit Abstand größte Teil der verschwendeten Lebensmittel landet im Müll der privaten Haushalte, also direkt bei uns. Hier werden ca. 6,1 Mio. t (52 %) Lebensmittel weggeworfen, was umgerechnet auf die deutsche Bevölkerung ca. 75,2 kg pro Einwohner*in pro Jahr an Lebensmittelabfall bedeutet. Davon wären theoretisch 32,9 kg vermeidbare Lebensmittelabfälle (Thuenen).

Biodiversität

Biodiversität oder auch biologische Vielfalt kann verstanden werden als die Vielfalt der Arten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme, zu der Lebensgemeinschaften, Lebensräume wie Wälder und Meere sowie auch Landschaften gehören (Greenpeace, 2021).

Jede Art erfüllt eine bestimmte Funktion im Ökosystem. Wir Menschen sind von funktionierenden Ökosystemen abhängig, zum Beispiel für sauberes Trinkwasser, unsere Nahrung, saubere Atemluft usw. (Greenfacts, 2007).

Es gibt natürliche Prozesse, die zu einem Massensterben und damit zu einem Verlust der Artenvielfalt führen (z.B. bei den Dinosauriern). Momentan jedoch verursacht der MENSCH das 6. Massensterben (Greenfacts, 2007; Umweltinstitut München, 2021).

Derzeit beobachten Wissenschaftler*innen einen massiven Verlust von Biodiversität, verursacht durch:

  • die Zerstörung von Lebensräumen und Ökosystemen (Rodung der Regenwälder für landwirtschaftliche Nutzung)
  • die Ausbeutung und Übernutzung von natürlichen Ressourcen
  • den Einsatz von Pestiziden und Fungiziden
  • die Verschmutzung durch Abfälle
  • den Anbau in Monokulturen
  • den anthropogenen Klimawandel
  • invasive, eingeschleppte Arten

Viele Ursachen sind eng mit der aktuellen Art und Weise, Landwirtschaft zu betreiben, und damit mit unserer Ernährung verknüpft. Die Artenvielfalt der Ackerwildkräuter (Kornblume, Feld-Rittersporn, Mohn) in Mittel- und Norddeutschland ist seit 1960 um ca. 75 % zurückgegangen (WWF, 2019).

Die Biomasse der Insekten (sehr wichtig als Bestäuber) in Deutschland ist seit 1989 um ca. 75 % geschrumpft (Utopia, 2017).

Der Bestand von 37 Vogelarten in der Agrarlandschaft Europas hat sich in den letzten 30 Jahren halbiert (WWF, 2019).

Hauptverursacher für diesen zu beobachtenden Trend sind die intensive Landwirtschaft mit ihren Pflanzenschutzmitteln und Monokulturen (landwirtschaftliche Flächen, auf denen ausschließlich eine einzige Nutzpflanzenart über mehrere Jahre hintereinander angebaut wird).

Insekten sterben durch Einsatz von Pestiziden oder weil sie aufgrund von Monokulturen keinen Lebensraum und keine Nahrung mehr finden (WWF, 2019; Bundesamt für Naturschutz, 2019).

Vier Fünftel aller Wild- und Kulturpflanzen werden jedoch durch Insekten bestäubt. Der Verlust an Bestäuberarten bedroht auch unsere Ernährung massiv!

Ohne Biodiversität und gesunde Ökosysteme wären die Regale in den Supermärkten leer und unsere Versorgung mit Lebensmitteln wäre gefährdet.

Bodenbeschaffenheit

Gesunde Böden sind für uns überlebenswichtig, denn der Boden erfüllt viele wichtige Funktionen (UBA, 2018; Bodenatlas, 2015):

In einer Handvoll Erde leben mehr Mikroorganismen als Menschen auf der Erde (Bundesinformationszentrum Landwirtschaft, 2021)!

Durch die intensive Landwirtschaft hat sich der Zustand der Böden immer mehr verschlechtert, die natürliche Fruchtbarkeit der Böden hat abgenommen (Bodenatlas, 2015). 17 % der Böden in der EU sind bereits degradiert (also in ihrer Qualität deutlich verschlechtert bis zerstört) und 45 % haben durch die landwirtschaftliche Nutzung deutlich an organischer Substanz (Humus und Bodenlebewesen) verloren. Der schlechte Zustand der Böden wird mit immer mehr Mineraldünger und Kalkgaben verborgen, sodass die Erträge weiterhin stabil sind. Langfristig ist jedoch mit Ertragsausfällen zu rechnen (Bodenatlas, 2015).

Geschädigte Böden sind oft nicht wieder herzustellen. Es dauert mehrere hundert Jahre bis sich Boden neu bildet (Pflanzenforschung, 2015).

Flächenverbrauch

In Deutschland werden ca. 16,7 Mio. ha landwirtschaftlich genutzt, das entspricht ca. 47 % der Gesamtfläche Deutschlands. Die landwirtschaftliche Nutzfläche teilt sich auf folgende Bereiche auf:

  • 57,2 % auf die Produktion von Futtermittel (v.a. für Grünfutter wie z.B. Gras, Heu und Getreide),
  • 26,9 % für die Erzeugung pflanzlicher Nahrungsmittel,
  • 15,8 % auf die Erzeugung von Bioenergie und Sonstiges.

Insgesamt werden 14 Mio. ha zur Erzeugung von Nahrungsmitteln verwendet, wovon 6,9 Mio. ha für die Produktion von Exportgütern beansprucht werden (Destatis, 2019). Um den aktuellen Bedarf an Ernährungsgütern für alle Menschen in Deutschland zu decken, wird aber eine Fläche von ca. 19 Mio. ha benötigt. Es wird also mehr konsumiert als faktisch auf der zur Verfügung stehenden Fläche in Deutschland produziert werden kann. Der Flächenverbrauch für Ernährungsgüter, die in Deutschland konsumiert werden, schlägt sich dabei für tierische Produkte (inkl. Futtermittel) mit 61 % nieder, wohingegen der Flächenverbrauch für pflanzliche Lebensmittel bei nur 39 % liegt (Destatis, 2019).

Wasserverbrauch

Für die Produktion von einiger Lebensmittel, beispielsweise für Kaffee, wird nicht nur eine große Menge an Fläche benötigt, sondern auch sehr viel Wasser. Wasser spielt vom Anbau bis hin zum Konsum eine bedeutende Rolle, denn es wird in fast jedem Verarbeitungsschritt benötigt. Schon beim Anbau in Ländern wie Brasilien, Kolumbien, Vietnam oder Honduras müssen die Kaffeepflanzen oft zusätzlich bewässert werden, um der hohen Nachfrage des Marktes gerecht zu werden. Zur Weiterverarbeitung werden ebenfalls Mengen an Wasser benötigt, beispielsweise zum Lösen des Fruchtfleisches von der Bohne, zum Waschen der Bohnen etc.

In einer Studie von Chapagain und Hoekstra (2003) wurde der Wasserverbrauch vom Anbau, über die Weiterverarbeitung bis zum Konsum berechnet mit dem Ergebnis, dass für die Herstellung von 1 kg Kaffeebohnen 22.530 Liter Wasser verbraucht werden!

Für eine Tasse Kaffee (durchschnittlich 7 g Kaffeepulver) entspricht dies rund 157,72 Liter Wasser (Chapagain und Hoekstra, 2003). Pro Tag macht das bei durchschnittlich 2 Tassen Kaffee mehr als 300 Liter Wasser für unseren Kaffeekonsum, pro Person!

Der hohe Wasserverbrauch hat in den Anbauländern schwerwiegende Folgen und führt zu ausgetrockneten Böden und Wasserverteilungskämpfen, aber auch zu Wasserverschmutzung, was Erkrankungen der Bevölkerung zur Folge haben kann (Albert-Schweizer-Stiftung, n.A.; KlasseWasser, n.A.).

Wenn ganz Deutschland eine Woche auf Kaffee verzichten würde, könnten so 183.259 Millionen Liter Wasser gespart werden.

Palmöl

Palmöl steckt heutzutage in jedem zweiten Produkt im Supermarkt. Auch in Produkten, in denen man kein Palmöl erwarten würde, kann man bei näherem Hinsehen feststellen, dass auch dort Palmöl verarbeitet wurde. Dazu zählen beispielsweise Kerzen, Waschmittel, Seifen, Cremes, Müsli oder Tiefkühlpizza. Palmöl trifft man aber nicht nur in Produkten aus dem Supermarkt an. Es ist aufgrund seiner Eigenschaften vielseitig verwendbar und kommt auch in der Produktion von Biodiesel zum Einsatz. Die vier Anwendungsbereiche von Palmöl umfassen Treibstoff, Kosmetik, Lebensmittel sowie Wasch- und Putzmittel.


Das Problem mit dem Palmöl

Um den derzeitigen globalen Bedarf nach Palmöl zu bedienen, werden riesige Anbauflächen für die Palmölpflanzen benötigt. Dazu wird Regenwald vernichtet, hauptsächlich in Malaysia und Indonesien, wo sich die größten Plantagen befinden. Die Palmölpflanzen werden dort in Monokulturen angebaut. Der Raubbau an der Natur führt zu einigen gravierenden Problemen:

Beispiel Borneo

Von den ursprünglichen Waldgebieten Borneos, die einst 95 % der Insel bedeckten, ist laut WWF nur noch die Hälfte übrig geblieben (Focus, 2016). Zwischen 2003 und 2007 verlor Borneo demnach jedes Jahr im Durchschnitt 1,15 Millionen ha Wald (Focus, 2016). Dabei wird ein Großteil der gerodeten Fläche für den Palmölanbau genutzt, aber auch für die Gewinnung von Holz und Kautschuk (CIFOR, 2021).

Überfischung

Der Zustand der globalen Fischbestände ist alarmierend. Laut Berechnungen des UN-Umweltprogramms ist spätestens 2050 weltweit keine kommerzielle Fischerei mehr möglich, da der Großteil der Bestände vollständig erschöpft sein wird. Schon jetzt sind etwa 33 % aller Fischbestände überfischt und weitere 60 % bereits völlig erschöpft (WWF, 2021). Durch die immer steigende Nachfrage nach Fisch (2016 wurden weltweit 154,4 Mio. t Fisch konsumiert, 2009 waren es noch 123,8 Mio. t) werden im kommerziellen Fischfang immer größere Netze in tieferen Gewässern genutzt, was auch zur Folge hat, dass 38,5 Mio. t Beifang pro Jahr entstehen, die die ohnehin stark geschädigten Ökosystemen zusätzlich vernichten (CareElite, 2019). Die Zerstörung der marinen Ökosysteme ist nicht nur besonders kritisch im Hinblick auf den Artenverlust und die Zerstörung von ökologischem Gleichgewicht, sondern auch hinsichtlich der Arbeitslosigkeit, da weltweit rund 800 Millionen Menschen direkt von der Fischerei bzw. vom Fisch als Hauptproteinquelle abhängig sind (CareElite, 2019).

Die kommerzielle Fischerei bietet ein sehr lukratives Geschäft, oft wird sich daher illegaler Fangmethoden bedient, um den Profit noch zu steigern.

“Der weltweite Fang aus illegaler Fischerei beträgt Schätzungen zufolge jährlich bis zu 26 Millionen Tonnen Fisch im Wert von 8,6 bis 19,8 Milliarden Euro und steht an sechster Stelle auf der Liste der am gewinnbringendsten Formen transnationaler Kriminalität” (WWF, 2018).

Es dauert sehr lange, bis sich dezimierte Fischbestände vollständig erholt haben. Aufgrund der schieren Größe und Fläche der Ozeane ist es schwierig, illegale Fischerei zu entdecken und zu unterbinden. Dadurch haben Bestände meistens gar keine Chance, sich zu erholen und werden weiter befischt, bis sie schließlich ganz erschöpft sind. (WWF, 2018).

Giftiger Fisch

Der Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten kann auch auf die menschliche Gesundheit negative Auswirkungen haben.

Toxische Substanzen

In Lachsproben aus Aquakulturen konnten zum Beispiel erhöhte Mengen an Ethoxyquin nachgewiesen werden. Ethoxyquin ist ein Futtermittelzusatzstoff und steht unter dem Verdacht, für Menschen krebserregend und leberschädigend zu sein (Greenpeace, 2016). Seit 2020 ist Ethoxyquin allerdings verboten. Auch andere chemische Stoffe wie polychloriertes Biphenylen und Dioxine werden immer wieder in Lachs nachgewiesen, jedoch überschreiten die Messwerte selten die von der European Food Safety Authority (EFSA) festgelegten Grenzwerte (BfR, 2004).

Mikroplastik

Nicht nur giftige Stoffe wie Ethoxiquine oder Dioxine stellen eine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar: Auch Mikroplastik, welches durch den Verzehr von Fisch und Meerestieren in unseren Körper gelangen kann, wird immer mehr zum Problem. Weil ein Großteil des Plastiks, das in Deutschland in die Umwelt gelangt (330.000 von 446.000 Tonnen), Mikroplastik ist, ist es nicht verwunderlich, dass diese kleinen aber festen, wasserunlöslichen Kunststoffpartikel (fünf Millimeter und kleiner) bereits in einer Vielzahl von Lebewesen nachgewiesen werden konnten (WWF, 2018).

Mikroplastik ist überall. Auch im Menschen. Und das nicht nur in Spuren. Eine Studie im Auftrag des WWF (2019) fand heraus, dass Menschen in aller Welt im Schnitt und pro Woche fünf Gramm aufnehmen. Das entspricht ungefähr einer geschredderten Kreditkarte.

Über die Folgen für den menschlichen Körper liegen in der Wissenschaft noch keine gesicherten Daten vor (Greenpeace, 2016), daher bestehen noch viele Unsicherheiten und Wissenslücken, was die Auswirkungen von Mikroplastik auf den menschlichen Körper betreffen. Hier gilt also das Vorsorgeprinzip, solange keine klaren Befunde vorliegen.

Tierleid

Innerhalb der Europäischen Union ist Deutschland das größte Milcherzeugerland. Insgesamt werden hier jährlich rund 33 Millionen Liter Milch erzeugt, die größtenteils im Inland verarbeitet und auch verzehrt werden (bmel). So wurden in Deutschland im Jahr 2020 pro Kopf 118 kg Milchprodukte konsumiert, wobei Milch (ca. 52 kg), Milchmischgetränke (ca. 30 kg) und Käse (ca. 25 kg) den größten Anteil haben. Anders gesagt verzehren wir ca. 320 g Milchprodukte pro Tag (bmel-statistik). Für die Herstellung solcher Mengen werden die Kühe speziell auf enorm hohe Milchleistung gezüchtet. Natürlicherweise gibt eine Kuh 8 Liter Milch am Tag und lebt auf einer Weide. In der Landwirtschaft hingegen werden durch künstliche Befruchtung bei einer Kuh rund 8.000 Liter Milch im Jahr gemolken, bei ca. 305 Melktagen im Jahr sind das rund 26 Liter pro Tag (landwirtschaft.de).

Vor allem über die Lebens- und Haltungsbedingungen wird verstärkt diskutiert. Während Kühe in freier Wildbahn bis zu 25 Jahre leben, wird eine Milchkuh nach ca. 5 Jahren geschlachtet (Mastbullen schon nach 18-20 Monaten), da sie nicht für die Milchproduktion genutzt werden können (landwirtschaft.de). Zudem fehlen bis heute EU-Tierschutz-Richtlinien. In der konventionellen Landwirtschaft etwa ist die dauernde Anbindehaltung weiterhin legal und eine ganzjährige Stallhaltung immer noch verbreitet. Darüber hinaus ist die Trennung von Kuh und Kalb ebenso an der Tagesordnung wie die schmerzhafte Enthornung und ein hoher Kraftfutter- und Antibiotikaeinsatz (tierschutz.com). Außerdem besteht das Futter heute statt aus Heu überwiegend aus Mais, der mit Hilfe von Gülle und Pestizideinsätzen hergestellt wurde (greenpeace). In der Bio-Landwirtschaft ist der Auslauf vorgeschrieben und die Tiere werden meistens auf der Weide gehalten (boelw.de). Allerdings gibt es leider auch unter den Biobetrieben viele, die die Tiere im Winter noch in Anbindeställen halten (Tierschutzverbund).

Gentechnik

Die intensive Landwirtschaft, die bestrebt ist, immer höhere Erträge zu erzielen, muss sich oft chemischen Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln bedienen, um Schädlinge zu bekämpfen. Das ist ein großes Problem, denn Pestizide sind giftig. Durch ihren Einsatz werden nicht nur die Schädlinge bekämpft, sondern auch andere Organismen. Ebenfalls werden die Böden belastet. Hier kommt die Gentechnik ins Spiel. Mithilfe der Gentechnik kann das Erbgut von Organismen, beispielsweise Kulturpflanzen wie Mais oder Weizen, künstlich verändert werden. Man kann die Pflanze dadurch mit bestimmte Eigenschaften ausstatten, sie widerstandsfähiger gegen schädliche Insekten machen oder resistent gegen Pilze und Viren. Man verspricht sich dadurch weniger Ernteausfälle und somit eine gewisse Ernährungssicherheit für die steigende Weltbevölkerung. Außerdem soll der Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen die Umwelt schonen, da weniger Pestizide eingesetzt werden müssen (Utopia, 2018).

ABER

Die gentechnisch veränderten Pflanzen würden so in der Natur höchstwahrscheinlich nie vorkommen. Man weiß nicht genau, wie sich diese Pflanzen in der Natur verhalten und welche Auswirkungen sie auf andere Arten haben. Es besteht die Gefahr, dass sich gentechnisch veränderte Pflanzen mit Wildpflanzen kreuzen. Dadurch würden bestimmte Eigenschaften in Wildpflanzen vorkommen, die ja eigentlich nur bei der Nutzpflanze gewollt waren. Außerdem können sich Unkräuter an die gentechnisch veränderten Pflanzen anpassen, sodass der Einsatz von Pestiziden dann doch wieder notwendig ist. Da manche Pflanzen
z.B. Giftstoffe produzieren gegen bestimmte Schädlinge, sind auch Insekten in Gefahr, die jedoch für die Bestäubung unerlässlich sind (BUND, n.A.).

Aber auch die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen und Lebensmitteln auf den menschlichen Körper sind bislang nicht durch Langzeitstudien erforscht:

  • Wer konventionelles Schweine- und Hühnerfleisch isst, muss davon ausgehen, dass die Tiere zuvor mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert wurden (Studie WWF, 2018).
  • Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch-verändertem Futtermittel gefüttert werden, müssen bisher nicht gekennzeichnet werden (WWF, 2012).
  • Bei Bio-Lebensmitteln ist der bewusste Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen grundsätzlich verboten – auch als Futtermittel für Tiere. Da Bio-Lebensmittel aber zufällig durch GVO verunreinigt werden können, liegt der Schwellenwert bei 0,9 Prozent – selbst Bio-Lebensmittel müssen also nicht komplett gentechnikfrei sein (Utopia, 2019).

Arbeitsbedingungen

Am Beispiel von Kaffee zeigen wir die Probleme bei den Arbeitsbedinungen auf, die besonders im globalen Süden oft katastrophal sind. Aber auch in Deutschland werden der Arbeitsschutz und der Anspruch auf existenzsichernden Lohn nicht immer eingehalten.

Ohne Kaffee würden viele Menschen heutzutage wohl große Schwierigkeiten haben, in den Tag zu starten. Ob als Wachmacher, als morgendliches Ritual oder einfach aus Genuss – die Menschen lieben Kaffee.

2020 wurden pro Kopf in Deutschland rund 166 Liter Kaffee konsumiert. Damit gilt Kaffee bei uns als eines der beliebtesten Getränke (Ahrens, Statista, 2021). Somit trinkt jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich knapp zwei Tassen pro Tag. Damit wir unseren Kaffee genießen können, legen die Kaffeebohnen eine weite Reise zurück. Hauptexportländer sind Brasilien, Vietnam, Honduras und Kolumbien. Laut der FAO wurden 2019 85.824 t gerösteter und rund 1.1 Mio t ungerösteter Kaffee nach Deutschland importiert (FOASTAT, 2021). Damit gehört Deutschland zu den Top-Kaffeeimporteuren nach den USA.

Für unseren Genuss müssen die Menschen in den Anbauländern wie Brasilien oft unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten. Zwangsarbeit, zu lange Arbeitszeiten, entwürdigende Bedingungen, bewusste Verschuldung von Arbeiter*innen durch den Einsatz von Arbeitsvermittlern, an den die Arbeiter*innen Gelder für Transport, Nahrung und Unterkünfte zahlen sollen, sind keine Seltenheit (Suzuki, 2019).

Die Rekrutierung von Arbeiter*innen auf den Feldern folgt einer Logik der Ausbeutung: Meistens sind die Arbeiter*innen informell beschäftigt und haben somit keinen Zugang zu öffentlichen Leistungen wie dem Gesundheitssystem. Die Löhne werden meist pro geleisteter Arbeit, also pro befülltem Sack mit Kaffeefrüchten gezahlt, sodass viele Arbeiter*innen, die dem Druck körperlich nicht standhalten können, deutlich unter dem gesetzlich verankerten Mindestlohn verdienen (Cesar Diaz, 2018).

Der hohe Einsatz von Pestiziden beim Kaffeeanbau ist ein weiteres Problem. Eine Studie aus dem Jahr 2011 der Universität in Minas Gerais kommt zu dem Ergebnis, dass fast 60 % der 412 befragten Arbeiter*innen nach der Ernte Symptome einer Vergiftung durch die Pestizide hatten. Die Pestizide haben nicht nur starke gesundheitliche Auswirkungen, sondern auch Auswirkungen auf die Umwelt (Suzuki, 2019).