Was ist Konsum?

Schaut man sich die Begriffsdefinitionen der Wörter Bedarf und (Über-)Konsum genauer an, wird deutlich, worin das Hauptproblem besteht. Unter Bedarf werden alle Produkte umfasst, die der Bedürfnisbefriedigung dienen, d. h. durch den Erwerb der Produkte werden Grundbedürfnisse wie das Bedürfnis nach Sauerstoff, Wasser, Nahrung und Homöostase (Schutz vor Witterung, Behausung) gestillt. Diese stehen in der Maslowschen Bedürfnispyramide ganz unten, sie bilden die Basis für alle anderen Bedürfnisse. (Über-)Konsum hingegen bezeichnet den Erwerb von Produkten, der über die Befriedigung der Grundbedürfnisse hinausgeht. Wir konsumieren also mehr als wir eigentlich brauchen.

In Deutschland sind laut Statistischem Bundesamt die privaten Ausgaben für Konsumgüter pro Einwohner im Jahr 2020 um 10,7 % gestiegen (im Vergleich zum Vorjahr 2019).

Warum konsumieren wir mehr als wir brauchen?

Es gibt viele Gründe für unseren Überkonsum. Vielleicht hast du selbst schon einmal erlebt, dass du etwas gekauft hast, weil du dich von der Werbung hast verleiten lassen oder Dinge gekauft hast, weil sie dich vermeintlich glücklicher machen. Dahinter stecken meist unbefriedigte Bedürfnisse und Gewohnheiten wie:

  • Belohnung
  • Dazugehören wollen
  • Konvention
  • Frust
  • Werbung
  • Mangelgefühl
  • Langeweile
  • Status

Alle diese Gründe und Bedürfnisse, die dahinter stehen, sind menschlich und nachvollziehbar. Vor allem leben wir alle seit vielen Jahren oder Jahrzehnten in einer konsumorientierten Gesellschaft, die uns geprägt hat. Es ist nicht leicht, sich von Wertungen und Beeinflussungen anderer frei zu machen und Gewohnheiten zu verändern.

Die gute Nachricht – Gewohnheiten kann man ändern! Als Konsument*innen verfügen wir außerdem über sehr viel Macht, denn wenn niemand ein Produkt kauft, wird es zukünftig auch nicht mehr produziert, da es ja keinen Gewinn einbringt.

Wie du ins Handeln kommst und dein Konsumverhalten Schritt für Schritt nachhaltiger gestalten kannst, erfährst du auf diesen Seiten.

Tricks der Konsumpsychologie

Kaufen, kaufen, kaufen! Immer und überall und in fast jeder Lebenslage werden wir dazu verführt, Dinge zu konsumieren, die wir eigentlich gar nicht benötigen. Da dies unbewusst passiert, sind wir uns dessen noch nicht einmal bewusst. So wird die Konsumfalle stetig aufrecht erhalten.

Die Konsumpsychologie ist die Schnittstelle zwischen Psychologie und Ökonomie und beschäftigt sich mit dem Forschungsfeld „Konsum“ und wie wir zu (mehr) Konsum angeregt werden können. Damit schlägt sie Brücken zwischen dem Kaufwunsch der Kund*innen und dem Angebot der Händler*innen. Die Konsumpsychologie bedient sich dazu einiger Tricks (Wissenschaft.de), zum Beispiel:

  • Besondere Ausleuchtung von Obst und Gemüse. Das Licht ändert sich je nach Abteilung
  • „Olfaktorisches Neuromarketing“: Duftstoffe werden im Laden versprüht, z. B. frischer Orangenduft
  • „Multisensorisches Marketing“: Ansprechen mehrerer Sinneswahrnehmungen, um mit höherer Wahrscheinlichkeit Produkte im Gedächtnis zu verankern
  • Kostproben können Kund*innen zu Spontankäufen verleiten
  • Künstliche Verknappung, z. B. „Angebot nur noch heute!“

Wenn man sich dieser Tricks bewusst ist, kann man seine Kaufentscheidungen hinterfragen. Starte doch gleich heute und beobachte beim Einkaufen, ob du einige dieser Tricks erkennen kannst.

Unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten?

In unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem ist es sogar notwendig, dass Menschen ständig konsumieren, denn genau das ist Bedingung für die Aufrechterhaltung des Systems. Die Idee, die dahinter steckt, ist die des exponentiellen Wachstums von Kapital, also Gewinnmaximierung. Dazu müssen möglichst viele und große Flächen erschlossen und Rohstoffe verfügbar und nutzbar gemacht werden. Unendliches Wachstum ist auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen jedoch nicht umsetzbar (Greenpeace). Kenneth E. Bolding, ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler britischer Herkunft hat das einmal so formuliert:

„Wer glaubt, exponentielles Wachstum könne in einer endlichen Welt unendlich weitergehen, ist entweder wahnsinnig oder Ökonom.“

Um zu verstehen, was exponentielles Wachstum ist, kann man unzählige Beispiele heranziehen. Das wohl derzeit Bekannteste ist das des exponentiellen Wachstums der Anzahl von Menschen, die an COVID-19 erkrankt sind.

Aber auch bei der Bevölkerung, dem Verbrauch von Wasser, beim Energiebedarf und der Düngerproduktion für landwirtschaftliche Prozesse sind auf globaler Ebene exponentielle Trends zu erkennen (FutureEarth).

Die Folgen von (Über-)Konsum

Die Idee des unendlichen Wachstums und die damit einhergehenden Konsummuster haben katastrophale Folgen für Klima und Ökosysteme. Ressourcen werden ausgebeutet, Ökosysteme zerstört, Biodiversität geht durch die Zerstörung von Lebensräumen verloren. Einhergehend mit dem unstillbaren Hunger nach neuen, besseren und schöneren Produkten entstehen weitere Probleme für Umwelt und Mensch. Dazu zählen zum Beispiel die Berge von zum Teil giftigem Müll, die Verschwendung von Ressourcen und auch die großen sozialen Ungerechtigkeiten wie Kinderarbeit beim Abbau von seltenen Erden und Dumpinglöhne für Arbeiter in großen Textilfirmen.

  • Minütlich landet das Äquivalent einer Wagenladung Plastik im Meer (Greenpeace)
  • Etwa die Hälfte aller Lebensmittel wird von Herstellern, Supermärkten und Verbrauchern weggeschmissen
  • 18 Mio. t Lebensmittel werden in Deutschland weggeworfen, 10 Mio. t davon sind vermeidbar
  • 22 Mio. t CO2 entstehen durch vermeidbare deutsche Lebensmittelverschwendung, ein Drittel der deutschen CO2-Emissionen der Landwirtschaft (WWF)
  • Jährlich werden 310.000 Hektar Regenwald für Ressourcen und Weideflächen abgeholzt (Planet Wissen)

Earth Overshoot Day

Der sogenannte „Earth Overshoot Day“ (oder „Erdüberlastungstag“) gibt den Tag im Jahr an, an dem wir die planetaren Ressourcen eines Jahres aufgebraucht haben und anfangen, Reserven zu verbrauchen. Die Biokapazität des Planeten ist ab diesem Tag erschöpft. Im Jahr 2020 wurde der globale „Earth Overshoot Day“ am 22. August erreicht (GlobalFootprintNetwork), corona-bedingt drei Wochen später als noch 2019.

Schaut man sich die Entwicklung des globalen „Earth Overshoot Day“ an, so ist zu erkennen, dass der Verbrauch der planetaren Ressourcen immer früher erreicht wird. Das hängt mit der steigenden Ressourcennutzung und dem immer weiter wachsenden Konsum zusammen.

  • 1970: 29. Dezember
  • 1990: 11. Oktober
  • 2020: 22. August

Wenn alle Menschen weltweit so leben und konsumieren würden wie in Deutschland, dann wäre der „Earth Overshoot Day“ dieses Jahr bereits am 5. Mai erreicht (Overshootday).

Der ökologische Fußabdruck

Der ökologische Fußabdruck ist eine Methode, um die Summe der durch den Konsum von Waren, Energie und Dienstleistungen in einem Jahr in Anspruch genommenen Biokapazität der Erde zu messen – unabhängig davon, wo auf der Welt diese Inanspruchnahme passiert. Somit dient er als Maßstab für den globalen Flächen- und Ressourcenverbrauch (GlobalFootprintNetwork).

Die Methode wurde Anfang der 90er Jahre von den Wissenschaftlern William Rees und Mathis Wackernagel entwickelt.

Ressourcen, die verbraucht werden, sind beispielsweise Holz und Papier, Energie, Fläche für Infrastruktur und Wohnraum, Lebensmittel und Fischbestände.

Biokapazität beschreibt die Produktivität der Flächen, um Ressourcen bereitzustellen (Acker, Weidefläche, Wälder, Seen und Meere sowie auch unproduktive Flächen wie Gebirge oder Wüsten).

Der ökologische Fußabdruck wird in globalen Hektar (gha) angegeben.

Die Einheit gha wird für den ökologischen Fußabdruck benutzt, um einen internationalen Vergleich zu ermöglichen. Während ein Land vielleicht besonders fruchtbare Böden und Wälder hat, ist die Geografie einer anderen Nation eher wüstenähnlich. Um einen allgemeinen Querschnitt der ganzen Welt zu erhalten, wird die benötigte Fläche mit dem globalen Durchschnittsboden berechnet.

Das bedeutet auch, dass mit steigender Bevölkerungszahl weniger Ressourcen für die einzelnen Individuen zur Verfügung stehen.

Der ökologische Fußabdruck kann für ein Land, ein einzelnes Produkt oder für die gesamte Menschheit berechnet werden. Ökologischer Fußabdruck pro Kopf (2016) in gha im Vergleich (GlobalFootprintNetwork):

  • Demokratische Republik Kongo: 0,7 gha
  • Deutschland: 4,9 gha
  • Luxemburg: 15,3 gha

„Wie viele Planeten von der Qualität der Erde wären nötig, wenn alle sieben Milliarden Menschen die gleiche Ressourcenmenge verbrauchen würden wie ich?“ – genau diese Frage kann dir der ökologische Fußabdruck beantworten (meinfußabdruck).

Der ökologische Rucksack

Die Idee hinter dem ökologischen Rucksack ist, den Verbrauch von Ressourcen, die benötigt werden, um Konsumgüter herzustellen und diese wieder zu entsorgen, in einer symbolischen Gewichtseinheit darzustellen. Entwickelt wurde das Konzept von Friedrich Schmidt-Bleek vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie.

Je schwerer dein Rucksack, desto mehr Ressourcen wurden benötigt und umso größer sind die ökologischen Folgen deines Konsums. Dein Lebensstil und dein Konsumverhalten spiegeln also das Gewicht deines ökologischen Rucksacks wieder (Verbraucherzentrale Bayern).

Beispiel Smartphone

In einem Smartphone sind viele verschiedene seltene Metalle verbaut wie z. B. Tantal. Auch die Verpackung und der Transport machen sich bemerkbar, da sie ebenfalls Ressourcen verbrauchen. Dein Smartphone wiegt zwar nur an die 100 g, das Gewicht des ökologischen Rucksacks ist aber um ein Vielfaches höher: Bei der Produktion des Smartphones fallen insgesamt 75 kg an! (Utopia).

Auf den Seiten des Wuppertal Instituts kannst du das Gewicht deines ökologischen Rucksacks berechnen.