Jede*r von uns trägt zu den immensen Müllmengen bei, ganz egal, ob Plastikmüll, alte Kleidungsstücke oder Lebensmittel. Vieles landet schon nach sehr kurzem Gebrauch oder sogar vollkommen ungenutzt im Abfall. Viel zu konsumieren, macht nicht glücklich (Glücksdetektiv) – zumindest nicht dauerhaft. Und trotzdem neigen die meisten Menschen dazu, mehr zu konsumieren, als sie benötigen. Es ist nicht leicht, unsere Konsumgewohnheiten zu durchbrechen. Oft kaufen wir ganz unbewusst Dinge, um unangenehme Emotionen zu verdrängen oder andere tieferliegende Bedürfnisse zu erfüllen. Wir merken dabei meistens nicht, dass uns der Konsum gar nicht dabei hilft, uns zufriedener und glücklicher zu machen.

Bei der Bestandsaufnahme hilft reflektieren

Der erste Schritt sollte bei jeder Veränderung sein, in aller Aufrichtigkeit und mit Empathie für dich selbst herauszufinden, was du persönlich mit dem Problem zu tun hast. Deshalb laden wir dich ein, darüber nachzudenken, was du in welchen Situationen konsumierst und aus welchen Gründen. Versuche in der nächsten Zeit, bewusst in dich hineinzuhorchen, wenn du den Drang verspürst, etwas zu kaufen. Wie fühlst du dich, welches Bedürfnis hast du gerade und wie könntest du es ohne Konsum stillen? Zum Beispiel durch ein Gespräch mit einer*m Freund*in, einen Spaziergang oder das Hören deiner Lieblingsmusik. Mache vielleicht einmal eine Woche oder auch länger eine Bestandsaufnahme deines Konsums, ohne ihn zu bewerten. Es geht erst einmal darum, ein Bewusstsein zu bekommen für den Ist-Zustand. Denn erst dann kannst du sinnvoll beginnen, dein Verhalten nach und nach – oder auch ganz schnell, je nach Persönlichkeit, Zeit und Lust – zu verändern.

Möglichst verpackungsfrei zu leben, kann dir ein Gefühl der Selbstwirksamkeit geben. Du erlebst ganz unmittelbar das Resultat deines Handelns, zum Beispiel, weil du seltener zur Mülltonne gehen musst. Es macht auch gerade zu Beginn Spaß, die eingesparten Verpackungen zu zählen und am Ende des Monats zu schauen, wie viele es waren. Wenn du die Anzahl dann noch auf ein Jahr hochrechnest, wird die Motivation noch größer!

Ins Handeln kommen

Bea Johnson, die Zero Waste-Vorreiterin, zeigt, was bei der Konsumreduktion – zumindest theoretisch – möglich ist: Der Müll ihrer vierköpfigen Familie eines ganzen Jahres passt mittlerweile in ein einziges 1 Liter großes Glas hinein.

Du musst ja nicht gleich die nächste Bea Johnson werden, aber auch du kannst dich auf den Weg machen und richtig viel Müll sparen: Seifenstück statt Flüssigseife, Mehr- statt Einweg-Kaffeebecher und Beutel mitnehmen statt Tüten zu kaufen. Der Anfang kann so einfach sein und du wirst schnell motiviert sein, in immer mehr Bereichen weniger Abfall zu produzieren. Nach kurzer Zeit wirst du wahrscheinlich bemerken, dass Müll nicht nur das ist, was wir klassischerweise darunter verstehen (nämlich Verpackungen), sondern auch das, was wir wegen unseres Überkonsums entsorgen wie Kleidung, Schuhe, Elektronik, Möbel, abgelaufene Lebensmittel und vieles mehr. Müllvermeidung bedeutet deshalb auch, den eigenen Konsum zu reduzieren. Das kann übrigens richtig Spaß machen, weil man sich von Überflüssigem befreit und sich auf das Wesentliche im Leben konzentriert.

Die folgenden „5 Rs“ können dir helfen, dich auf den Weg zu machen und ein möglichst müllfreies Leben zu führen. Hinter den 5 Rs verbergen sich fünf Grundprinzipien für ein müll- und konsumreduziertes Leben. Sie sind aufgebaut wie ein Trichter oder ein umgekehrtes Dreieck und man sollte erst zur nächsten Stufe gehen, wenn die vorherigen nicht möglich sind.

Refuse – Vielen Dank, ich brauche das nicht.

Refuse bedeutet ablehnen und genau darum geht es: Trau dich, „nein“ zu sagen: Nein zu kostenlosen Werbeprospekten, Gratis-Kugelschreibern und lustigen Stickern. Nein zu neuen Modetrends, Verpackungen und Plastikbesteck. Einfach nein zu allem, was du eigentlich nicht brauchst und nicht haben möchtest. So vermeidest du persönlich Müll und leistest deinen Beitrag zu einem Wandel, der dazu führen wird, dass bestimmte Dinge gar nicht mehr hergestellt werden. Und in jedem deiner „Neins“ steckt ein „Ja“ zu einer nachhaltigeren Welt!

Es geht also einmal darum, möglichst verpackungsfrei das einzukaufen, was du wirklich brauchst.

Zum anderen aber auch darum, Dinge, die dir – meistens ungefragt – angeboten werden, abzulehnen.

Dies im Alltag umzusetzen, ist nicht immer einfach. Wir sind tief drinnen immer noch Jäger*innen und Sammler*innen und nehmen gern alles mit, was wir bekommen können. Und es bedarf auch etwas Fingerspitzengefühls, um andere Menschen, die einem etwas schenken wollen, nicht vor den Kopf zu stoßen. Aber mit der Zeit wird man immer besser und freut sich über jedes Teil, das man höflich, aber bestimmt abgelehnt hat. Und mit einer kleinen Erklärung, warum man das Angebotene nicht haben möchte, regst du andere vielleicht zum Nachdenken an.

Fragen, die dir dabei helfen können, herauszufinden, ob du eine Sache wirklich brauchst, sind:

  • Möchte ich die Sache wirklich haben?
  • Werde ich sie auch in einem Monat noch verwenden?
  • Habe ich bereits etwas Ähnliches zu Hause?
  • Kann ich sie mindestens 3-mal benutzen?

Reduce – Weniger ist mehr

Jedes Jahr ein neues Handy, hier ein Paar neue Sneaker, da eine Playstation und dort ein Streaming-Abo. Wieso sind wir mit dem, was wir schon besitzen, nie zufrieden? Wieso wollen wir immer mehr?

Reduktion bedeutet nicht, auf alles, was dir Freude bereitet, zu verzichten. Es geht viel mehr darum, dein Bewusstsein dafür zu schärfen, was du bereits hast. Frag dich, ob du damit nicht doch gut auskommst.

Davon profitiert nicht nur die Umwelt, sondern auch du. Denn wer weniger Dinge besitzt, muss weniger organisieren, aufräumen und putzen und kann den neu gewonnenen Stauraum für Sinnvolles nutzen. Außerdem fällt es uns leichter, unsere Aufmerksamkeit auf die Dinge zu lenken, die wir wirklich mögen und verwenden.

Auch dein voller Kleiderschrank kann bald der Vergangenheit angehören: bye-bye, verstaubte Geschenke in der hintersten Ecke, auf Nimmerwiedersehen, ihr Fehlkäufe an der Kleiderstange und arrivederci, ihr alten ungenutzten Handys in der Schublade! Aber halt, die Sachen sollst du nicht wegwerfen, sondern am besten verkaufen, verschenken oder upcyceln. Gut erhaltene Kleidungsstücke kannst du spenden, alte Handys einschicken (z. B. bei HandysfuerdieUmwelt.de, beim NABU oder missio) und über das Teeservice von Tante Berta freut sich vielleicht der*die nächste Flohmarktbesucher*in.

Reuse – Eigentlich ist schon alles da

Reuse, also wiederverwenden, bedeutet, dass wir das, was bereits vorhanden ist, nutzen und so die Lebensdauer von Dingen verlängern, sodass weniger produziert werden muss.

Das können wir auf unterschiedliche Weise tun. Wir können Kaputtes reparieren, zu etwas anderem benutzen oder sogar durch Upcycling etwas ganz Neues kreieren.

Wenn du selbst nicht das richtige Werkzeug oder Können hast, musst du deine Sachen trotzdem nicht wegwerfen. Mittlerweile gibt es in vielen Städten sog. Repair-Cafés, in denen du Unterstützung bei der Reparatur bekommst. Übersichten für viele Städe findest du auf den Seiten von Reparatur-Initiativen und Repaircafe. Oft kannst du auch Repair-Cafés auf der Website deines Ortes finden, wie beispielsweise Repair-Cafés in Hamburg.

Außerdem kannst du auch deine Nachbar*innen, Freund*innen, Kommiliton*innen oder Bekannten fragen, ob sie dir helfen können. Schließlich gibt es zum Beispiel auf YouTube jede Menge Reparatur-Anleitungen, mit deren Hilfe du einem kaputten Gegenstand neues Leben einhauchen kannst. Und das fühlt sich richtig gut an, sodass auch dein Belohnungszentrum aktiviert wird!

Abgesehen von den positiven Auswirkungen auf unsere Psyche und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen sind Reparaturen fast immer günstiger als ein Neukauf. Du sparst also nicht nur Ressourcen und Energie, sondern vermutlich auch Geld!

Wenn wir wirklich etwas brauchen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, gut erhaltene Sachen gebraucht zu kaufen, zu tauschen oder geschenkt zu bekommen. Und wenn wir etwas nicht mehr benötigen, können wir die Dinge anderen zum Kauf, Tausch oder als Geschenk anbieten.

Schließlich geht es auch noch darum, möglichst keine Einwegprodukte mehr zu verwenden, die meist eine sehr kurze Lebensdauer haben. Wir sind uns oft gar nicht bewusst, wie viele Einwegprodukte wir nutzen, weil wir uns sehr daran gewöhnt haben. Unten bei den Challenges geben wir dir Tipps, welche Einwegprodukte du einfach durch Mehrwegalternativen ersetzen kannst.

Recycle – Aus alt wird neu

Viele Menschen glauben, dass Recycling das Müllproblem löst. Das ist aber nicht der Fall, da viele Verpackungen und Gegenstände gar nicht recycelt werden können und die Abfallwirtschaft den immer größer werdenden Mengen nicht mehr gewachsen ist!

Deshalb ist es wichtig, dass vor dem Recycling die anderen 3 Rs („Refuse, Reduce, Reuse“; ablehnen, reduzieren und wiederverwenden) ausgeschöpft werden und nur dann, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt, die Sachen dem Recycling zugeführt werden.

Echtes Recycling bedeutet, dass aus alten, kaputten und unbrauchbaren Gegenständen, die man nicht wiederverwenden kann, etwas gleichwertiges Neues gemacht wird. Das ist zum Beispiel beim Recycling von Glas der Fall oder wenn „altes“ Gold eingeschmolzen und zu neuem Schmuck verarbeitet wird. Oft ist es jedoch so, dass eher ein „Downcycling“ stattfindet. Das heißt, dass aus dem ursprünglichen Material ein minderwertiges Produkt hergestellt wird. Diese Methode findet im großen Stil bei Altkleidern Anwendung. Weltweit werden derzeit nur 1 % der Altkleider zu neuer Kleidung! Der Rest wird zu Putzlappen oder Matratzenfüllungen verarbeitet, und ein großer Teil wird einfach auf Müllkippen in Afrika oder Südamerika abgeladen, wo der Textilmüll verbrannt oder einfach gewartet wird, bis die Sachen verrotten.

Damit Recycling funktionieren kann, ist es schon beim Kauf wichtig, auf die Recylingfähigkeit des Produkts zu achten. Diese ist umso besser, je weniger Materialien untrennbar miteinander verbunden sind, wenn also die Sachen möglichst sortenrein hergestellt werden.

Bei der Entsorgung ist es dann entscheidend, dass wir unseren nicht vermeidbaren Müll richtig trennen und Wertstoffe wie Elektronik, Batterien, Kork, Wachs, Brillen u. a. zu Sammelstellen bringen.

Rot – Zurück zu den Wurzeln

Organische Abfälle sind goldwert, denn diese kannst du ganz einfach kompostieren. Entweder auf dem eigenen Kompost im Garten, in einer Wurmkiste auf dem Balkon oder in der Biotonne. Biomüll selbst zu kompostieren hat den Vorteil, dass du den entstandenen Dünger für deine Pflanzen nutzen kannst. Die freuen sich ganz bestimmt über die vielen Nährstoffe deines Komposts. Verwendest du stattdessen eine Biomülltonne, kann dein lokaler Abfallentsorger daraus wertvollen Dünger und sogar Energie gewinnen (Umweltbundesamt).

Diese Challenges helfen dir

Auf die Plätze, fertig – los! (Für Eilige)

  • Frag beim Bäcker, ob du dein Brot auch in einem Baumwollbeutel statt Einwegpapiertüten mitnehmen kannst. Dafür kann man wunderbar Jutebeutel oder Obstbeutel verwenden (gibt’s auch in Supermärkten zu kaufen).
  • Achte bei Joghurtbechern und anderen Verpackungen aus mehreren Bestandteilen (von z. B. Käse) darauf, diese voneinander zu trennen. Beim Joghurt also Aluminiumdeckel, Papierbandage, Plastikbecher.
  • Denke immer daran, deine eigene Trinkflasche mitzunehmen. Diese kannst du überall mit Leitungswasser auffüllen und so eine Menge Müll sparen!
  • Verzichte auf die dünnen Plastiktüten in der Obst- und Gemüseabteilung. Die wirfst du sowieso direkt weg!
  • Tausche deine Plastikzahnbürste gegen eine Bambuszahnbürste aus oder überlege, dir eine nachhaltige elektrische Zahnbürste oder Zahnbürstenaufsätze zu kaufen (z. B. von happybrush).
  • Setze auf feste statt flüssiger Seife! Macht die Hände genauso sauber und sieht dabei auch noch schöner aus.

Besser selbst gemacht als selbst gekauft (Für Kreative)

  • Räume deinen Kleiderschrank aus und organisiere mit deinen Freund*innen eine Kleidertauschparty!
  • Schau doch mal, ob es bei dir nicht etwas zu reparieren gibt. Das Loch im Socken, der Reißverschluss der geliebten Tasche oder die Patches auf der Jeansjacke – es gibt zu allen „Problemen“ ein passendes Tutorial auf YouTube!
  • Du willst dich richtig austoben? Dann stelle doch gleich deine eigene Bodybutter oder dein eigenes Deo her! Nur von Sonnencreme-DIYs solltest du unbedingt die Finger lassen – der Sonnenschutz lässt sich nicht einfach durch Kokosöl oder andere Öle ersetzen!

Ziehe andere mit! (Für Fortgeschrittene)

  • Veranstalte einen Plogging-/CleanUp-Tag und sammle zusammen mit anderen Interessierten Müll beim Joggen, Walken und Spazieren ein.
  • Lade deine Freund*innen zu dir nach Hause ein und serviere ihnen ausschließlich selbstgemachte Snacks. Profi-Tipp: Habe die Rezepte parat, am besten als QR-Code oder Link, falls jemand fragt. :)
  • Eröffne einen eigenen Bücherschrank bei dir in der Stadt.
  • Engagiere dich in einem lokalen Umweltprojekt. Online kannst du leicht Übersichten für verschiedene Orte finden, hier ist ein Beispiel für Hamburg.