„Wir brauchen nicht eine Handvoll Leute, die Zero Waste perfekt machen. Wir brauchen Millionen von Menschen, die es unperfekt machen.“ – Anne Marie Bonneau, Bloggerin (Zero-Waste Chef), Buchautorin und Aktivistin

Müll fällt in allen Bereichen unseres Lebens an. Ganz egal, ob bei der Arbeit, zu Hause oder unterwegs: Wir sind noch immer Weltmeister im Wegschmeißen und nicht – wie oft behauptet – im Recycling. Im Jahr 2019 betrug das Müllaufkommen 45,1 Mio. t (Umweltbundesamt). Pro Kopf und Jahr sind das 543 kg! Bereits im Jahr 2000 waren es 458 kg pro Kopf und Jahr und seitdem ist unser Müll immer mehr geworden (Umweltbundesamt). Unser Hausmüll, wozu auch Sperrmüll, Garten- und Parkabfälle gehören, macht dabei mit 30,4 % den größten Anteil aus (ZDF Nachrichten).

Ein Anstieg ist insbesondere bei Verpackungsabfällen zu verzeichnen. Im Jahr 2017 fielen insgesamt 18,7 Mio. t an, fast die Hälfte davon im privaten Endverbrauch (ZDF Nachrichten). Verpackungsmüll für frisches Obst und Gemüse, Getränke sowie Heimtierfutter waren zu diesem Zeitpunkt die Spitzenreiter unter den Verpackungsmüllarten. Doch auch Papierverpackungen im Versandhandel und der Verbrauch von Servicepackungen für den Außer-Haus-Verbrauch stiegen seither rasant an: Papierverpackungen im Versandhandel um ganze 708 % und Serviceverpackungen in der Gastronomie um 275 % (ZDF Nachrichten).

Doch wo landet eigentlich all der Müll, den wir tagtäglich produzieren? Was wird recycelt, was verbrannt und exportiert? Ist Bioplastik besser als Plastik? Welche Folgen hat unser Müll auf Umwelt, Tiere und Menschen?

Wir geben euch hier einen Überblick über die Probleme im Zusammenhang mit unserem Müll. Unter Handeln weihen wir euch in die „5 Rs“ auf eurem Weg zu einem müllfreieren Leben ein und unter Tipps findet ihr im Anschluss weitere Anregungen zur Müllreduktion.

Alles auf Anfang: Die Geschichte von der großen Recyling-Lüge

Die übermäßige Verwendung von Kunststoffen ist ein großes Problem unseres Lebensstils: 33 kg Plastikmüll entfallen im Durchschnitt pro Jahr auf jede*n Einwohner*in der EU (Statista 2021).

Ein großer Teil dieser Abfälle wird nicht wiederverwertet, sondern gelangt durch unsachgemäße Entsorgung in die Umwelt. Allein durch den Rhein fließen pro Jahr etwa 380 t Kunststoff in die Nordsee. Dort bleibt dieser Restabfall zurück und kann auf lange Sicht Menschen und Tiere schädigen. Große Teile des in Europa produzierten Plastikmülls wurden jahrelang nicht lokal verwertet, sondern nach Asien exportiert. 2019 exportierte die EU 1,5 Mio. t Plastikabfälle zumeist in die Türkei und asiatische Länder. So findet sich in asiatischen Flüssen besonders viel Plastik, das in Teilen aus Europa stammt und in Asien illegal entsorgt wird (Nabu 2021).

Deutscher Plastikmüll wird überwiegend in folgende Länder exportiert:

  • Malaysia, jährlich rund 151.000 Tonnen
  • Niederlande, 142.000 Tonnen
  • Türkei, 132.000 Tonnen
  • Polen, Hongkong, Österreich und Indonesien, jeweils etwa 50.000 Tonnen

„Wir leben in Deutschland das Märchen einer Recycling-Lüge, frei nach dem Motto ‚Aus den Augen, aus dem Sinn!‘“, sagt Greenpeace-Konsumexpertin Viola Wohlgemuth. Mit den Exporten verschiebe Deutschland seine Probleme beim Umgang mit den Massen an Plastikmüll in andere Staaten.

Wird jetzt alles besser?

Exporte von unsortiertem Plastikmüll aus der EU in Nicht-OECD-Länder sind seit dem 1. Januar 2021 verboten – nur noch „saubere“ Kunststoffabfälle zum Recycling dürfen dorthin ausgeführt werden. Auch für Exporte und Importe in und aus Industriestaaten gelten schärfere Auflagen. Ziel ist es, die Plastikverschmutzung einzudämmen und das Material systematisch wiederzuverwerten.

Das soll sich jetzt ändern

Im Jahr 2019 ist in Deutschland das Verpackungsgesetz in Kraft getreten. Es ersetzt die bisher gültige Verpackungsverordnung und legt eine neue Recyclingquote fest. Bis zum Jahr 2022 wurde diese für Kunststoffverpackungen schrittweise von 36 % auf 63 % angehoben, indem unter anderem der Einsatz von Recyclat finanziell belohnt wird.

Allerdings gibt es ein Problem

Der Gesetzgeber macht keinen Unterschied zwischen teils schwer recycelbarem Endverbrauchermüll und leicht verwertbaren Industrieresten. Obwohl insbesondere der Endverbrauchermüll zur Verschmutzung unseres Planeten beiträgt, besteht durch das neue Gesetz die Möglichkeit, die Recyclingquote allein durch die Verwertung von Industrieresten zu erfüllen – die eigentlichen Probleme bleiben so ungelöst. Ein Lösungsansatz liegt in der eindeutigen Unterscheidung zwischen Altplastik aus dem Gelben Sack und wiederverwerteten Industrieresten durch den Gesetzgeber.

Was passiert also mit unserem Kunststoffabfall?

Nur aus wenigen alten Verpackungen werden wieder neue. Denn recycelter Kunststoff ist nicht für jede Anwendung geeignet. Darin sind potentiell gefährliche Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Weichmacher enthalten. Ein weiteres Problem beim Recycling von Kunststoffen ist, dass die Plastikverpackungen immer ausgefeilter werden. Immer häufiger würden Verpackungsfolien aus bis zu 13 chemisch unterschiedlichen Schichten bestehen, sagt Jörg Drewes, Professor am Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft an der Technischen Universität München. Das erschwere das Recycling. Drewes kritisiert diese Praxis und rät zum Umdenken (BR 2020).

Generell gilt: Jede Verpackung – auch recycelbar oder aus nachwachsenden Rohstoffen – ist eine zu viel!

Aluminium – umweltfreundlich sieht anders aus

Viele Firmen werben mit der Botschaft, dass Aluminium zu 100 % und unendlich oft recycelbar sei. Zwar hat Aluminium (wie alle Metalle) grundsätzlich ein höheres Potential für systematisches Recycling als andere Stoffe, umweltfreundlich ist es deshalb aber noch lange nicht.

Aluminium wird größtenteils aus dem Erz Bauxit gewonnen. Um dieses im Tagebau aus dem Boden zu fördern, werden große Flächen Ur- und Regenwald abgeholzt. Der bei der Gewinnung anfallende Rotschlamm enthält viele giftige Chemikalien wie zum Beispiel Blei und weitere Schwermetalle und kann nicht weiterverarbeitet werden. Stattdessen wird er in Deponien gelagert oder in Flüsse und Seen abgeleitet. Dort zerstört er ganze Ökosysteme, ist meist tödlich für Pflanzen und Tiere und schädigt auch die Gesundheit der Menschen vor Ort.

Hinzu kommt, dass die Elektrolyse zur Umwandlung von Aluminiumhydroxid in Aluminium extrem energieaufwändig ist. Für die Herstellung einer Tonne Primär-Aluminium sind durchschnittlich rund 15,700 kWh elektrische Energie nötig, schreibt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR 2020).

Der Energieaufwand beim Recyceln von Aluminium fällt zwar wesentlich geringer aus, allerdings wird global gesehen ein zu geringer Anteil des Primär-Aluminiums wieder aufbereitet und genutzt. Während die Alu-Recyclingquote in Deutschland immerhin bei rund 90 % liegt (DAVR), ist sie global betrachtet bei nur ca. 75 % (Aluminium International Today).

Aluminium kann uns krank machen. Viele unserer Lebensmittel enthalten von Natur aus Aluminium, der Körper kann jedoch den Großteil davon wieder ausscheiden. Problematisch werden erst relativ große Mengen, etwa wenn aus verschiedenen, nicht natürlichen Quellen viel Aluminium aufgenommen wird. Hierzu zählen Lebensmittel in Aluminium-Verpackungen, Trinkwasser, Lebensmittelzusatzstoffe, Kosmetika und Arzneimittel. Wir können nicht erkennen, wie viel Aluminium wir aufnehmen und ob wir unsere Gesundheit schädigen.

Bambus – alles öko, oder was?

Seit Sommer 2021 gelten in Deutschland zwei neue Verordnungen, die besagen, dass Einwegbesteck und -geschirr aus Plastik, Trinkhalme, Rührstäbchen, Wattestäbchen und Luftballonstäbe aus Kunststoff EU-weit nicht mehr produziert werden dürfen. Gleiches gilt für To-go-Getränkebecher, Fast-Food-Verpackungen und Wegwerf-Essensbehälter aus Styropor. Weitere Wegwerfprodukte aus oder mit Kunststoff müssen zudem seit dem 3. Juli 2021 gekennzeichnet werden. Seitdem wird vermehrt auf Einweggeschirr und Verpackungen aus natürlichen Materialien wie etwa aus Bambus gesetzt. Aber ist das wirklich nachhaltiger?

Bambus ist ein schnell nachwachsender Rohstoff. Nach nur drei bis fünf Jahren lässt sich Bambus bereits ernten. Durch ein großflächiges Wurzelsystem stirbt beim Fällen des Bambushalms nicht die gesamte Pflanze ab, sodass ständig neue Pflanzen nachwachsen können. Hinzu kommt, dass durch das schnelle Wachstum Bambus im Vergleich zu Bäumen bis zu viermal mehr CO2 speichern kann.

Die Pflanze ist extrem widerstandsfähig, sodass beim Anbau kaum Pestizide zum Einsatz kommen. Außerdem ist Bambus sehr hart und dicht und somit optimal für beispielsweise den Möbelbau geeignet. Des Weiteren ist Bambus leicht und flexibel und eignet sich so auch für Fahrradrahmen und Verkleidungen bei Elektrogeräten.

Aber nicht alle als Bambusprodukte verkauften Waren sind wirklich nachhaltig. Zunächst einmal muss der Rohstoff aus Asien oder Südamerika importiert werden. Auch gibt es bislang kaum Zertifizierungen, die sicherstellen, dass für die Plantagen keine Primärwälder zerstört werden.

Das gilt auch für die Einweg-Alternativen aus diesem natürlichen Rohstoff. Hinzu kommt, dass das scheinbar umweltfreundliche Bambusgeschirr oft nicht zu 100 % aus Naturmaterial besteht. Häufig werden künstliches Melaminharz oder andere Kunststoffe beigemischt, um das Geschirr bruchfest zu machen. Aus dem Grund sollte auch der Griff zum „Bambus-to-go-Becher“ vermieden werden, denn bei Hitzezufuhr können sich giftige Stoffe lösen und gesundheitsschädlich wirken.

Fazit: Auch Einweg-Produkte aus Bambus sind im Vergleich zu Mehrweg die schlechtere Alternative!

Bioplastik – keine wirklich umweltfreundliche Alternative

Immer häufiger stoßen wir auf Produkte, die aus „Bio-Plastik“ oder „Bio-Kunststoff“ hergestellt sind oder deren Verpackung „bio“ ist. Diese Dinge werden uns als nachhaltigere Alternative zum herkömmlichen Plastik angeboten.

Allerdings sind diese Begriffe irreführend, da uns damit eine umfassende biologische Eigenschaft vorgegaukelt wird. Die eigentliche Unterscheidung ist aber zum einen der Rohstoff, aus dem der Kunststoff besteht, nämlich aus Erdöl (z. B. PP, PE, PVC) oder aus nachwachsenden Rohstoffen (z. B. PLA, PCL, PBS). Zum anderen geht es um die biologische Abbaubarkeit der Stoffe, was bedeutet, dass unter bestimmten Bedingungen eine Zersetzung stattfindet. Diese beiden Eigenschaften gehen aber nicht unbedingt miteinander einher, sodass es eben auch Stoffe gibt, die zwar biobasiert, aber nicht biologisch abbaubar sind und umgekehrt einige erdölbasierte Kunststoffe dennoch biologisch abbaubar sind.

Wichtig ist also zunächst, dass das Material sowohl biobasiert als auch biologisch abbaubar ist.

Aber auch dann bleibt es dabei, dass Mehrweg-Produkte, zum Beispiel Becher bei Veranstaltungen und in der Gastronomie, eine viel günstigere Umweltbilanz aufweisen, als zum Beispiel Einwegbecher aus PLA (Polylactid).

Denn die biologische Abbaubarkeit heißt ja leider nicht, dass die Produkte aus den entsprechenden Materialien auch tatsächlich durch natürliche Prozesse zersetzt werden. In der Regel landen sie mangels Sammelsystemen in Müllverbrennungsanlagen (Deutsche Umwelthilfe).

Auch ist der Irrglaube, dass Verpackungen aus Bioplastik in die Biotonne gehören, leider weit verbreitet. Ebenso wenig gehört Bioplastik in die gelbe Tonne, denn zurzeit fehlen noch die geeigneten Recyclingverfahren. Also wohin damit? Um das Material am Ende doch noch sinnvoll zu verwerten, sollte es im Restmüll entsorgt werden. Durch das Verbrennen entstehen so immerhin noch nutzbare Energie und sehr viel weniger CO2-Emissionen als bei normalem Plastik (Planet Wissen).

Unser Fazit ist, dass sog. „Bio-Plastik“ keine Lösung unseres Müllproblems, sondern allenfalls unter bestimmten Umständen die weniger schädliche Alternative ist. Es muss immer darum gehen, jede nicht zwingend notwendige Verpackung zu vermeiden oder Mehrwegsysteme zu nutzen.

Elektroschrott – von geplantem Verschleiß, gesundheitlichen Risiken und schlechten Arbeitsbedingungen

Der Anteil von Elektroschrott pro Kopf war im Jahr 2019 in Europa und den USA weltweit am größten (DW, BR). Das liegt vor allem an unserem exzessiven Konsum von Elektronikartikeln, den nur wenige überdenken. Der Gipfel des Ganzen: Statt uns um die Entsorgung unseres eigenen Mülls zu kümmern, exportieren wir unseren „Wohlstandsschrott“ in weit entfernte Länder, z. B. nach Ghana (Planet Wissen). Dort sind die in den Altgeräten enthaltenen Metalle begehrt und werden unter gefährlichen Bedingungen von den Plastikverkleidungen getrennt.

Statt Recycling und einen bewussten Konsum zu fördern, setzen viele Unternehmen noch immer auf Obsoleszenz, d. h. geplanten Verschleiß. Das bedeutet, dass Geräte wie Handys, Laptops oder auch Haushaltsgeräte extra so gebaut werden, dass sie nach relativ kurzer Zeit kaputt gehen oder auf Grund von Softwareveränderungen nicht mehr nutzbar sind. Für die Idee eines Gesetzes für ein Recht auf Reparierbarkeit steht die Website iFixit mit zahlreichen Informationen zur Reparatur von verschiedenen Elektrogeräten. Alte Handys können zu Sammelstellen vom NABU oder „Handys für die Umwelt“ gebracht werden. Mit dem Erlös werden dann Umweltprojekte unterstützt, die z. B. das Bienensterben verhindern sollen (NABU).

Wenn du dich näher damit beschäftigen möchtest, findest du in unserer Infothek weitergehende Informationen zum Thema Digitalkonsum.

Glas – so umweltfreundlich wie sein Ruf?

Immer mehr Lebensmittel werden in Glas-Verpackungen angeboten. Glas wird von vielen Menschen als umweltverträglich eingestuft und somit als gute Alternative zur Konservendose aus Aluminium oder zur Plastikflasche gewertet. Aber ist diese Verpackung wirklich so umweltschonend? Ja und nein!

Die Ökobilanz einer Glasverpackung hängt unter anderem von drei wichtigen Faktoren ab.

  1. Materialeinsatz und Produktion: Rohstoffe, die zur Herstellung von Glas benötigt werden, sind Quarzsand, Soda, Kalkstein, Dolomit und recyceltes Glas. Außerdem sind enorm hohe Temperaturen notwendig. Die dafür eingesetzte Energie „lohnt“ sich nur, wenn das hergestellte Glas möglichst lange genutzt wird.
  2. Transportweg: Generell ist der CO2-Fußabdruck von Glas pro Gramm geringer als der von Plastik. Das Problem: Glas ist wesentlich schwerer als Plastik. Dementsprechend ist auf dem Transportweg, den eine Flasche zurücklegt, bis sie im Handel verkauft wird, mehr Energie notwendig. Laut NABU haben Plastikmehrwegflaschen (PET-Mehrweg) gegenüber Glasflaschen Umweltvorteile beim Transport, weil sie leichter sind. Eine Studie vom ifeu (Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH) zeigt, wie kompliziert ein Vergleich zwischen den unterschiedlichen Verpackungen wirklich ist. Zum Beispiel sind regional vertriebene 0,5-Liter Mehrweg-Glasflaschen im Vergleich zu 0,5-Liter PET-Einwegflaschen noch ökologisch überlegen. Vergleicht man allerdings die 1,5-Liter PET-Einwegflaschen mit einer 0,7-Liter Glas-Mehrwegflasche, können keine eindeutigen Vor-und Nachteile mehr festgestellt werden – sofern der Transportweg der Plastikflasche gering ist. Das Verhältnis zwischen Verpackung und Inhalt wird durch die zunehmende Flaschengröße besser zugunsten des Einwegplastiks.
  3. Wiederverwertung: Wenn es sich um Einwegglas handelt (was bisher meist der Fall ist), muss dieses nach dem Gebrauch wieder eingeschmolzen werden – und das erfordert in der Regel Temperaturen um die 1000 ºC, was ebenfalls nicht besonders umweltfreundlich ist und viel CO2 verursacht.

Unter Berücksichtigung dieser drei Gesichtspunkte ist neu hergestelltes Glas im Vergleich zu Kunststoff keine umweltschonende Alternative.

Besser ist es, auf Altglas zurückzugreifen. Laut Umweltbundesamt lag die Recyclingquote in der Glasproduktion 2018 bei 83 % (Umweltbundesamt, Statista). Altglas kann unendlich oft wieder eingeschmolzen und zur Herstellung neuer Glasprodukte genutzt werden. Solch eine erneute stoffliche Nutzung ist umweltverträglich und kann viele Rohstoffe einsparen, wenn die verschiedenen Glasprodukte wie Flaschen und Fenstergläser an ihrem Lebensende dem richtigen Entsorgungsweg zugeführt werden. Dabei ist die Farbreinheit der Altglasscherben besonders wichtig.

Allerdings liegt auch hier der Energieaufwand, der zum Recyceln benötigt wird, ungefähr in der Größenordnung von der Neuherstellung eines Getränkekartons – der auch noch zu 75 % aus nachwachsenden Rohstoffen besteht.

Leider bieten immer mehr Lieferanten ihre Produkte in speziell gestalteten Flaschen an. Diese müssen immer zurück zum Abfüller transportiert werden, teils durch die gesamte Republik. Standardflaschen hingegen gehen in einen gemeinsamen „Flaschenpool“ und können vom nächstgelegenen Abfüller wieder eingesetzt werden. Daher ist es ökologisch besser, Getränke in Standardmehrwegflaschen zu bevorzugen und sich nicht von dem Design und gutem Marketing anziehen zu lassen. Immerhin senkt die Nutzung von Altglas den Verbrauch von neuen Rohstoffen.

Kunststoff vs. Glas – ganz schön kompliziert

Wenn man allein diese wenigen Gesichtspunkte beim Einkauf berücksichtigt, merkt man schnell, wie kompliziert der Vergleich ist. Zusammenfassend lässt sich aber sagen, dass Glas nachhaltiger sein kann als Plastik, wenn …

  • … eine Standardgrößenverpackung genutzt und immer wieder verwendet wird.

So werden keine neuen Rohstoffe benötigt und die Produktion verbraucht weniger Energie. Glasmehrwegflaschen können bis zu 50 Mal wieder befüllt werden. Die Alternative aus Kunststoff nur bis zu 25 Mal.

  • … die Transportwege kurz sind.

Bei regionalen Produkten ist es durchaus sinnvoll, sie in Glas zu verpacken, denn das kann dann von örtlichen Betrieben, die über die entsprechenden Maschinen verfügen, wieder gereinigt werden. Wenn man auf Mehrwegglasbehälter aus der Region zurückgreift, schont man nicht nur die Umwelt, sondern auch die eigene Gesundheit.

Glas vs. Tetrapak – was ist umweltfreundlicher?

Bei Getränkekartons wie Tetrapaks handelt es sich ausschließlich um Einwegverpackungen, da diese vom Pfandsystem ausgenommen sind. Sie bestehen aus verschiedenen Schichten von Karton, Kunststoff und manchmal noch Aluminium. Teilweise wird Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft genutzt oder die Bestandteile bestehen aus recyceltem Material.

Aufgrund des geringen Gewichts wird beim Transport weniger Energie als bei Glas oder Kunststoff benötigt. Doch das Recycling ist umso aufwändiger, da die verschiedenen Schichten getrennt werden müssen.

Das Umweltbundesamt berichtet, dass in Analysen verschiedener Studien Mehrweg-Glas und Getränkekartons aus ökologischer Sicht gleichauf liegen.

Fazit

Mittlerweile werden immer mehr regionale Produkte in Standardmehrwegflaschen angeboten. So gibt es zum Beispiel nicht nur Milch und Joghurt im Pfandglas, sondern auch Mais, Cornichons, Kichererbsen und pflanzliche Alternativen. Ebenso greifen auch viele Getränkehersteller wieder auf die Standardflasche zurück. Durch den Kauf von Produkten in gängigen Pfandbehältern fördert man die Nachfrage am Ausbau der Angebotsvielfalt.

Übrigens: Schraubdeckel dürfen mit in den Container

Schraubdeckel aus Metall und Kunststoff können ebenso gut wie Glas recycelt werden. Dafür ist es sinnvoll, diese korrekt zu entsorgen. Allerdings ist es nicht schlimm, wenn du mal einen Deckel im Altglas vergisst. Das gesammelte Glas aus dem Container wird in der Recyclinganlage zerkleinert und sortiert. Deckel und Verschlüsse aus verschiedenen Materialien wie Aluminium, Kunststoff oder Kork werden dabei maschinell aussortiert. In modernen Recyclinganlagen kommen dafür Magnete und Kameras zum Einsatz.

Wenn du Metalldeckel, Kron- und Weinkorken nicht nur recyceln, sondern beim Entsorgen Projekte unterstützen möchtest, solltest du diese separat sammeln. Es gibt z. B. in Hamburg an vielen Orten Stationen, wo du diese abgeben kannst. Der Verein Collect Kronkorken holt sie dann ab und bringt sie zu Wertstoffhändlern. Den Erlös setzt Collect e. V. dann in Umwelt- und Tierschutzprojekten wieder ein.

Hosen, T-Shirts und Pullover – zu viel von allem und keiner weiß, wohin damit

Die Textil-Industrie verursacht solche Mengen Müll, dass dieser inzwischen an Orten wie der Atacama-Wüste abgeladen wird und dort all die giftigen Chemikalien in die Umwelt gelangen (Tagesschau). Eine erhebliche Menge, nämlich 35 % des Textilmülls, entsteht schon bei der Fertigung (Brodde/Zahn, Einfach anziehend, 2018). Auch die Überproduktion heizt das Entsorgungsproblem weiter an. 230 bis 460 Millionen Kleidungsstücke werden in Deutschland gar nicht erst verkauft (Welt). Allein in Deutschland entsprechen die jährlichen Altkleidermengen 62.000 LKW-Ladungen, die aneinandergereiht von Flensburg bis Innsbruck reichen würden (Dachverband Fairwertung e. V.).

Und entgegen der Vorstellung vieler Menschen gibt es kein funktionierendes Recycling von Bekleidung. Lediglich 25 % aller Textilien in Deutschland werden recycelt. Ein Großteil davon wird „downgecycelt“, zum Beispiel zu Putzlappen (Greenpeace). Textilrecycling ist technisch sehr aufwändig und teuer. Viele Mischfasern sind derzeit gar nicht recyclingfähig (Greenpeace-Magazin, Textilfibel 2016). Lediglich ca. 1 % der weltweit gesammelten Altkleider wird wirklich zu neuen Kleidungsstücken, auch wenn die zahlreichen Marketing-Aussagen der großen Textilketten etwas anderes versprechen (Ellen Mac Arthur Foundation).

Wenn du dich näher damit beschäftigen möchtest, findest du in unserer Infothek weitergehende Informationen zum Thema Bekleidungskonsum.

Lebensmittel – wie 12 Millionen Tonnen jährlich im Müll landen

In jedem Schritt der Lebensmittelkette – von der Ernte über die Produktion bis zu den Verbraucher*innen – werden unglaubliche Mengen an Lebensmitteln verschwendet. In Deutschland landen pro Jahr ca. 12 Mio. Tonnen Lebensmittel im Müll. Die Gründe dafür sind vielfältig. Beispielsweise werden Obst und Gemüse oft aussortiert, weil sie nicht den EU-Normen oder den optischen Anforderungen der Verbraucher*innen entsprechen (Agrar Koordination, 2013. Nahrungsmittelproduktion und -verschwendung). Ernteverluste, Überproduktion, fehlerhafte Verpackungen oder Absatzprobleme sorgen für zusätzliche Lebensmittelabfälle (Ernährung und Verbraucherbildung 2012). Gerade im Handel könnten aber ca. 90 % der Lebensmittelabfälle vermieden werden. Ähnliches gilt für die Verschwendung in Restaurants oder Kantinen durch falsche Planung oder zu große Portionen (WWF, 2015 b. Das große Wegschmeißen).

Doch der mit Abstand größte Teil der Lebensmittel, die im Müll landen (52 %), kommt aus den privaten Haushalten. In Deutschland werden ca. 6,1 Mio. t Lebensmittel weggeworfen, was umgerechnet auf die Bevölkerung ca. 75,2 kg pro Einwohner*in und Jahr an Lebensmittelabfall bedeutet. Davon wären durch Veränderung unserer Kauf-, Koch- und Aufbewahrungsgewohnheiten 32,9 kg vermeidbar (Thuenen).

Wenn du dich näher damit beschäftigen möchtest, findest du in unserer Infothek weitergehende Informationen zum Thema Ernährung.

Mikroplastik – ein tonnenschweres Problem

Als Mikroplastik bezeichnet man feste, wasserunlösliche Kunststoffpartikel, die nicht größer als fünf Millimeter sind (UNEP/UBA). Es ist also nichts anderes als winzig kleine Plastikpartikel, die biologisch nicht abbaubar sind. Demnach verbleibt Mikroplastik dauerhaft in unserer Umwelt. Und obwohl die einzelnen Teilchen sehr, sehr klein sind, ist das Problem riesig: 1,8 bis 5 Millionen Tonnen – diese Menge Mikroplastik gelangt laut der Weltnaturschutzunion (IUCN) jedes Jahr in unsere Umwelt (WWF)!

Doch Mikroplastik ist nicht gleich Mikroplastik. Man unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik (WWF). Primäres Mikroplastik wird direkt für verschiedene industrielle Zwecke produziert, beispielsweise als Kunststoff-Pellets oder Granulat (Umweltretter). Diese Art von Mikroplastik findet besonders häufig in Kosmetika und Reinigungsmitteln Verwendung. Für den Peeling-Effekt werden beispielsweise Duschpeelings und Make-Up absichtlich Mikroplastik zugesetzt (WWF). Die Plastikteilchen spülen wir beim Duschen oder Abschminken in unser Abwasser – jedes Jahr allein in Deutschland 77 t (Ökotest). Über das Abwasser gelangt das Mikroplastik in unsere Gewässer und Böden und so in unsere Nahrung.

Zu den festen Polymeren kommen noch gel- oder wachsartige Polymere hinzu. Allein in Deutschland werden für Kosmetik- und Reinigungsmittel 50.000 t Kunststoff pro Jahr eingesetzt (Fraunhofer UMSICHT). Pro Jahr gelangen 922 t festes Mikroplastik über Kosmetikprodukte ins Abwasser – plus 23.700 t flüssige Kunststoffe. Das zeigt eine Studie des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) von 2018 (Ökotest).

Sekundäres Mikroplastik entsteht hingegen durch die Nutzung von Gegenständen aus Kunststoff. Beim Waschen synthetischer Kleidungsstücke wird 35 % des gesamten Mikroplastiks verursacht (WDR). Fast ebenso große Verursacher sind Autoreifen und Schuhe (BR), aber auch der größere Plastikmüll im Meer wird nach und nach zu Mikroplastik zersetzt. Durch UV-Strahlung und Wellen zerfallen Plastikprodukte in immer kleinere Teile und werden so zu Mikro- bis hin zu Nanoplastik (kleiner als 0,001 mm). Diese Plastikteile werden von Tieren und Kleintieren mit Nahrung verwechselt (Stiftung Meeresschutz). Sie verletzen sich an ihnen, werden krank oder verhungern mit vollem „Plastik-Magen“ (BR). Hinzu kommt, dass sich bioinvasive Arten wie Bakterien und Viren schneller verbreiten können, da ihnen die Plastikteilchen als Transportmittel dienen (Stiftung Meeresschutz).

Wie schädlich Mikroplastik für uns Menschen ist, ist bisher weitgehend unerforscht (Quarks). Eine neue Studie zeigt jedoch, dass die winzigen Partikel sich nicht nur im Körper ablagern, sondern ins Gehirn gelangen und dort Entzündungen auslösen können. Die Chemikalie Bisphenol A (BPA), die oft in Plastik enthalten ist, wird als gesundheitsschädlich und durch die ECHA (Europäische Chemikalienagentur) als besonders besorgniserregend eingestuft (ECHA). Für den Verbraucher ist es nicht leicht, die schädlichen Inhaltsstoffe auf den Verpackungen zu erkennen, da uns die Hersteller durch die Zugabe einer Vielzahl an Kunststoffen in die Irre führen.

Papier – alles gut, oder doch nicht?

Immer mehr Verpackungen aus Papier oder Karton ersetzen solche aus Plastik – ob Papiertüten an der Gemüsetheke oder Tomaten in Pappboxen statt Plastikfolie. Aber handelt es sich hierbei wirklich um eine umweltfreundlichere Alternative?

Ob eine Verpackung umweltfreundlich ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein Faktor, der ein Material umweltverträglich macht, ist seine Recyclingfähigkeit. Wenn Papier sortenrein getrennt wird, lässt es sich gut recyceln.

Da Papierverpackungen aber einige der positiven Eigenschaften von Kunststoffverpackungen nicht haben, werden sie oft mit weiteren Materialien als Verbundstoffe eingesetzt. Diese wiederum lassen sich schlecht wieder voneinander trennen und sind somit nur zum Teil recycelbar.

Aber auch die Herstellung eines Produkts spielt eine große Rolle. Damit eine Papierverpackung die gleiche Traglast wie eine aus Kunststoff aufweist, benötigt diese ca. dreimal so viel Material. Das hat wiederum enorme Auswirkungen auf die anfallenden Transportkosten.

Außerdem ist die Herstellung von Papier sehr energieintensiv: Große Mengen von Wasser werden verbraucht und der Rohstoff Holz ist sehr flächenintensiv im Anbau. Außerdem kommen bei der Herstellung reißfester Zellstofffasern Chemikalien wie Natronlauge, Sulfite und Sulfate zur Anwendung, die zu negativen Umweltauswirkungen und erhöhtem Energieeinsatz bei der Entsorgung führen.

Ein weiterer wesentlicher Faktor, der die Gesamt-Ökobilanz von Verpackungsmaterialien maßgeblich beeinflusst, ist die Nutzungsdauer. Eine Papiertüte ist beispielsweise wenig widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse und mechanische Einwirkungen. Gerät sie mit Flüssigkeit in Kontakt oder wird sie zusammengeknüllt, verliert sie schnell ihre strukturelle Stabilität. Plastiktüten hingegen sind wesentlich widerstandsfähiger gegen solche Einflüsse, was dazu führt, dass eine Plastiktüte viel öfter verwendet werden kann, bevor sie in den Müll wandert.

Verbundstoffe – Warum Tetrapak & Co. nicht zu empfehlen sind

Verbundstoffe sind Werkstoffe, die aus mindestens zwei miteinander verbundenen Materialien bestehen. Ziel der Materialverbindung ist es, die vorteilhaftesten Eigenschaften der einzelnen Ausgangsmaterialien zu kombinieren. Eine typische Verbundverpackung ist der Getränkekarton.

Die Vielfalt der Verbundwerkstoffe ergibt sich aus den Kombinationen der Grundstoffe. Im wesentlichen werden diese vier Stoffklassen eingesetzt:

  • Polymere (Kunststoffe)
  • Metallische Werkstoffe
  • Keramische Werkstoffe
  • Organische Werkstoffe

Bei der Trennung und Entsorgung der unterschiedlichen Stoffe gibt es allerdings ein Problem. Denn das, was uns schon als Normalverbraucher bei der alltäglichen Mülltrennung Schwierigkeiten bereitet – nämlich die Sortierung verschiedener Wertstoffe – ist bei Verbundwerkstoffen nahezu unmöglich. Aus diesem Grund werden die meisten Verbundstoffe verbrannt.

Laut DSD (Duales System Deutschland)-Geschäftsführer Michael Wiener sehen Verpackungen aus Papierverbundstoff zwar umweltfreundlich aus, das Recycling ist aber schwierig. Zudem ist die Ökobilanz zumindest fragwürdig. Wirklich nachhaltig sind solche Verpackungen jedenfalls nicht. Verpackungsalternativen aus Monomaterialien sind klar zu bevorzugen, am besten mit einem recyclingfähigen Design und der Nutzung von Rezyklaten.