Silke erzählt hier, wie das Klimasofa entstanden ist:

Die Idee für das Klimasofa hatte ich im Sommer 2019. Nachdem wir als Familie unser Leben vollständig auf den Kopf gestellt und unseren Lebensstil grundlegend verändert hatten, wollte ich noch mehr tun, um die notwendige Veränderung voranzubringen. Ich war deshalb kurzzeitig bei den Parents for Future und anschließend bei Extinction Rebellion aktiv, stellte aber fest, dass ich für mich eine andere Form des Aktivismus finden musste, die besser in mein Leben passt.

Durch Gespräche in meinem Freundeskreis und meiner Nachbarschaft merkte ich, dass sich zwar durchaus viele Menschen für das Thema Klima- und Umweltschutz zu interessieren schienen, aber gleichzeitig durch Ohnmachtsgefühle, aus Zeitmangel oder Überforderung nicht aktiv wurden, so wie es mir auch viel zu lange ergangen war. Ich überlegte, wie es gelingen könnte, mehr Menschen für eine Veränderung ihrer Lebensweise zu begeistern. Durch meine Beschäftigung mit der Umweltpsychologie wurde mir klar, dass das Format möglichst niedrigschwellig sein und die Kraft des Gemeinschaftsgefühls nutzen sollte. Mir kam das Format der „Tupperware-Party“ in den Sinn, bei dem es offenbar – wenn auch in einer ganz gegensätzlichen Absicht – durch die persönliche Einladung einer*s Freundin*es gelang, Menschen zusammenzubringen, um sich über Plastikgefäße zu informieren. Ich dachte mir, dass das doch für das ungleich wichtigere Thema „Klimaschutz“ ebenso funktionieren müsste.

Also entschlossen wir uns, Menschen zu uns nach Hause einzuladen. Ich vernetzte mich mit den Scientists for Future Hamburg, um eine*n Referent*in zu gewinnen. Das gelang viel schneller, als ich dachte. Und über einen anderen Kontakt hatte ich eine weitere Referentin gewonnen. Unsere Sorge, dass niemand unsere Einladung annehmen würde, verflog zum Glück schnell, auch wenn es doch die*den eine*n oder andere*n gab, die*der nicht einmal auf die Einladung reagiert hat. Aber das hatten wir uns schon gedacht und es sollten ja auch nur die kommen, die sich ganz freiwillig mit der doch schweren Thematik beschäftigen wollten. Mit ca. 30 Gäst*innen, die teilweise aus Platzmangel auf Kissen auf dem Boden sitzen mussten, hörten wir im September 2019 zwei tolle Vorträge in unserem Wohnzimmer. Anschließend – nach einer Pause für Getränke, Snacks und Gespräche – verteilten wir uns in der Wohnung und versorgten unsere Gäst*innen mit konkreten Informationen und Tipps für mehr Nachhaltigkeit in verschiedenen Bereichen. Schon an diesem Abend kamen zwei Personen auf uns zu und wünschten sich, einen solchen Abend bei sich zu Hause zu veranstalten. Da ahnten wir, dass die Idee grundsätzlich funktionierte und sich über die Abende immer neue Gastgeber*innen finden würden.

Neben der Vorbereitung eines weiteren Klimaschutzabends bei uns gründeten mein Mann und ich mit Freund*innen den Verein Fairbunden e. V. Wir bewarben uns noch im Herbst 2019 nach erfolgreicher Anerkennung unserer Gemeinnützigkeit um Fördermittel aus dem Klimafonds der Stadt Hamburg. Unserem Förderantrag wurde stattgegeben und wir begannen direkt im Januar 2020 mit dem Projekt. Bis zur Corona-Zwangspause Anfang März 2020 waren wir bei sieben Hamburger*innen zu Gast und hatten bereits acht weitere Klimasofas geplant. Während der Pandemie haben wir dann schnell auf ein digitales Format umgestellt, das aber natürlich wegen des mangelnden persönlichen Austausches nicht so gut funktioniert. Inzwischen haben wir uns konzeptionell weiter entwickelt und bieten verschiedene Formate an, die alle die Intention haben, Menschen auf ihrem Weg zu einem nachhaltigen Lebensstil zu unterstützen.