Während 1995 noch 531 Millionen Menschen in den Urlaub fuhren, waren es 2017 bereits 1,3 Milliarden Menschen (DW). Da Flüge immer billiger werden, können es sich auch immer mehr Menschen leisten, in den Urlaub zu fliegen. Was dabei oft in Vergessenheit gerät: Die sog. Touristifizierung wirkt sich spürbar negativ auf Mensch, Klima und Umwelt aus. Laut eines Berichts des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2019 entfallen 8 % der Treibhausgas-Emissionen auf den weltweiten Tourismus mit steigender Tendenz. Auch die Einheimischen in den beliebten Urlaubsorten leiden unter dem globalen Tourismus. Tim Freytag, Professor für Humangeografie an der Uni Freiburg, vergleicht den Prozess mit der Gentrifizierung: „Ärmere Bewohner werden verdrängt, und die Wohnviertel werden immer homogener“ (DW). Expert*innen sind sich einig: Tourismus muss nachhaltiger und rücksichtsvoller gestaltet werden.

In Deutschland fliegt jede*r Dritte einmal pro Jahr in den Urlaub. Dabei produziert laut der International Civil Aviation Organization bereits ein einfacher Flug in der Economy Class von Hamburg nach Mallorca rund 160 kg CO2 pro Kopf.

Hinzu kommt: Während es sich die einen leisten können, mehrmals pro Jahr zu verreisen, sind andere so arm, dass sie sich keine einzige Urlaubsreise leisten können. Rund 14,5 % der Deutschen, das ist jeder Siebte, sind 2019 unfreiwillig zu Hause geblieben (Change Magazin). Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland dennoch gut ab: In beliebten Urlaubsländern wie Rumänien, Kroatien und Zypern konnte sich 2019 nicht einmal jeder Zweite leisten, eine Urlaubsreise anzutreten (WirtschaftsWoche). Trotz all der positiven Veränderungen bleiben Urlaubsreisen ein Luxus und keine Selbstverständlichkeit.

Es gibt neben den klimaschädlichen Folgen auch noch weitere Gründe dafür, das eigene Urlaubspensum sowie die Wahl des Reiseziels zu überdenken. Natürlich geht es nicht darum, einfach gar nicht mehr zu verreisen. Stattdessen geht es darum, seltener, bewusster und nachhaltiger unterwegs zu sein sowie der Natur und Einheimischen wieder mit angemessenen Respekt zu begegnen.

Im Folgenden erfährst du etwas darüber, mit welchen Verkehrsmitteln du am klimafreundlichsten reist, welche Vorteile eine pflanzliche Ernährungsweise auf Reisen mit sich bringt und welche Unterkünfte nachhaltiger sind als andere. Unter der Rubrik „Handeln“ kannst du zudem nachlesen, was du konkret vor und während der Urlaubsreise machen kannst, um CO2 einzusparen, die Biodiversität zu erhalten und die Umwelt zu schützen.

An- und Abreise

Flugzeug
Vielen von uns ist mittlerweile bewusst, dass Fliegen die klimaschädlichste Art des Reisens ist und wir uns Gedanken über die Auswahl unseres Fortbewegungsmittel machen sollten, vor allem, wenn wir über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen.

Im Vergleich zu einer Bahn- oder Busreise entstehen beim Fliegen etwa 8-mal so viele Emissionen – unter anderem Treibhausgase, Kohlenmonoxid, Stickoxide und Partikel (Umweltbundesamt). Die Klimawirkung eines Langstreckenfluges beträgt pro Kopf für einen Flug von München nach New York und zurück ca. vier Tonnen CO2 (Berechnung mittels Atmosfair). Beim Fliegen geht es nicht nur um die direkten Emissionen, sondern um die weiteren klimaschädlichen Wirkungen, zum Beispiel durch Ozonbildung oder Kondensstreifen (Deutschlandfunk).

Auto
Die CO2-Emissionen sind beim Auto etwa 5-mal höher als bei Bahn- und Busreisen (Umweltbundesamt). Die Auslastung des Autos wirkt sich natürlich auf den individuellen Fußabdruck aus – ein Auto mit 5 Personen ist klimafreundlicher unterwegs als ein Auto mit nur einer Person.

Allerdings ist der Reifenabrieb ein großes Problem. Autoreifen produzieren etwa ein Drittel der gesamten Mikroplastik-Menge – das sind 1,23 kg Mikroplastik pro Kopf und Jahr (Fraunhofer-Institut für Umwelttechnik). Durch den Reifenabrieb gelangen zwischen 60.000 und 111.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt (Umweltbundesamt).

Fernbus
Gemessen an den CO2-Emissionen ist der Fernbus dem Auto und Flugzeug überlegen. Pro Personenkilometer verursacht der Fernlinienbus lediglich 29 g CO2. Mit dem Flugzeug sind es 230 g CO2 und mit dem Pkw immerhin noch 147 g CO2 (Umweltbundesamt). Aber auch beim Bus gibt es das Problem des Reifenabriebs.

Bahn
Beim CO2-Ausstoß schneidet die Bahn am besten ab: 21 g CO2 pro Personenkilometer (Umweltbundesamt). Die Arbeitsbedingungen sind in Ordnung, Reifenabrieb gibt es nicht. Und fährt die Bahn nicht auch mit 100 % Ökostrom? Weit gefehlt. Nur etwa ein Drittel des DB-Bahnstroms stammt aus erneuerbaren Energien. Ein weiteres Drittel des DB-Bahnstroms stammt hingegen aus Stein- und Braunkohle. Die Kernenergie trägt etwa ein Sechstel zum Strommix bei (Die Bahn). Insgesamt gilt die Bahn von den bisher genannten aber als das ökologischste Fortbewegungsmittel.

Fahrrad
Vielleicht nicht für alle Urlauber*innen geeignet, aber das Fahrrad hat definitiv die beste Ökobilanz! Wie dir deine erste Fahrradreise gelingt und was du in der Planung und Umsetzung beachten solltest, kannst du dir z. B. in dieser Reportage von Puls ansehen. Und falls du dir nicht vorstellen kannst, An-und Abreise mit dem Rad zu bestreiten, wäre es vielleicht eine Idee, sich zumindest am Urlaubsort selbst nur noch zu Fuß und mit dem Rad fortzubewegen.

Unterkunft

So leicht wie bei der Anreiseart lässt sich bei der Unterkunft nicht pauschal sagen, welche am nachhaltigsten ist. Gerade deshalb ist es hilfreich sich an Siegeln wie Viabono oder ECOCAMPING zu orientieren. Allerdings spielen bei der Auswahl der Unterkunft auch andere Faktoren wie z.B. die Dauer der Anfahrt eine Rolle. Ein Bio-Hotel, das zwar mit Ökostrom betrieben wird und vegane, regionale und saisonale Speisen anbietet, aber nur mit dem Flugzeug oder dem Auto erreichbar ist, ist vermutlich nicht die nachhaltigste Option. Aber auch eine Reise zu zweit mit dem Wohnmobil zum Campingplatz in Südfrankreich ist nicht gerade klimafreundlich, denn wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, erzeugt mehr CO2 als Pkw-Urlauber*innen, die ebenfalls zelten gehen. Die klimafreundlichste motorisierte Variante ist hierbei übrigens die An- und Abreise mit dem Reisebus (Herrmann 2016: 250). Allgemein gilt jedoch, ein Wohnungs- / Haustausch, ein Urlaub auf dem Öko-Campingplatz ist i.d.R. ökologischer als ein Hotelaufenthalt, vor allem wenn auf eine motorisierte Anreise verzichtet wird.

Wer es einfach und schlicht mag oder nur ein begrenztes Budget zur Verfügung hat, dem seien Jugendherbergen und Naturfreundehäuser ans Herz gelegt. Besonders empfehlenswert sind die CO2-neutralen Jugendherbergen in Brilon, Norderney, Lingen, Norddeich, Neuharlingersiel und Juist. In Naturfreundehäuser, von denen es allein in Deutschland 400 Stück gibt, setzt man neben erneuerbarer Energien auf soziales Engagement und Solidarität. Das Angebot richtet sich im Besonderen an alleinerziehende Elternteile, Arbeitslose sowie Menschen mit Behinderung oder mit geringer Kaufkraft. Und auch ein Urlaub in dem Haus der besten Freundin kann aufregend sein. Schließlich geht es den meisten im Urlaub vor allem darum, die eigenen vier Wände zu verlassen und den Alltag für eine Zeit hinter sich zu lassen.

Worauf sollte man bei den einzelnen Unterkunftsarten achten?
--> Kategorien wie Wasserverbrauch, Stromanbieter, Gastronomie (z. B. Buffet, vegan / vegetarisch), Anreise

Siegelüberblick

Bei Bio-Lebensmitteln und Produkten wie Kakao und Kaffee schon längst mainstream: Siegel. Doch im Tourismusbereich kennt fast niemand empfehlenswerte Siegel, nach denen man bei der Buchung der Unterkunft, Mietwagen, Pauschalreise-Angeboten usw. Ausschau halten könnte. Dabei gibt es sie. Viele. Man könnte sagen zu viele.

Statt vieler unbekannter Siegel wäre es besser, auf nur wenige Siegel zu setzen, die von externen Stellen geprüft werden. So könnten Urlauber*innen der Siegelflut entkommen und der Bekanntheitsgrad der Siegel in der Tourismusbranche würde ansteigen. Mobilitätsforscher Thomas Sauter-Servaes kritisierte beispielsweise die Beschränkung der Zertifizierung auf nur einzelne Teile der Reise. Oft würden nur Unterkünfte zertifiziert, damit sei die Reise doch noch lange nicht nachhaltig (vgl. Herrmann 2016: 206). Denn nur weil das Hotel Bio-Eier serviert und Yoga-Stunden anbietet, ist damit noch lange nicht die Anreise per Flugzeug kompensiert. Sauter-Servaes betont, man müsse die ökologische Gesamtbilanz der Reise im Blick behalten und nicht auf einzelne nachhaltige Komponenten setzen.

Und bei all der berechtigten Kritik an Siegeln: Sie können - wenn sie denn glaubwürdig, transparent und bekannt sind - Orientierung für Interessierte bieten. Wir stellen Dir nun einige Siegel vor, die all diese Kriterien erfüllen, sich also sowohl durch hohe Transparenz, einfache Lesbarkeit als auch durch eine unabhängige externe Prüfung und einen hohen Bekanntheitsgrad auszeichnen. Wir beschränken uns hier auf den geographischen Raum Europas. Willst du außerhalb Europas verreisen, empfehlen wir dir einen Siegelcheck auf diesem Portal.

Viabono
Bei Viabono handelt es sich um die 2002 gegründete Initiative des Bundesumweltministeriums, der 18 Spitzenverbände, darunter der NABU, der ADAC und und das DJH, angehören. Das Siegel gibt es nur in Deutschland und es wird sowohl an Hotels, Ferienwohnungen, Tagungshäuser, Campingplätze und Jugendherbergen als auch an Restaurants, Pauschal- und Kanuanbieter, Naturparks sowie Tourismuskommunen vergeben. Um eine Zertifizierung zu erhalten, müssen Betriebe in den Bereichen Endenergie, CO2, Wasser und Restabfall 30% unter den von Expert*innen errechneten Benchmarks liegen. Zudem wird Wert auf die Verwendung regionaler und fair produzierter Lebensmittel gelegt. Die Zertifizierung ist zwei Jahre lang gültig. Bei Verstößen gegen die Kriterien werden dem Betrieb Sanktionen auferlegt. Von dem Label-Portal “label-online.de” wird es als empfehlenswert eingestuft, da ein transparenter Vergabeprozess gegeben ist und die Kriterien für die Vergabe des Siegels von unabhängigen Stellen mitentwickelt werden. Dennoch kann das Siegel nicht uneingeschränkt empfohlen werden, da die Kontrollen nur stichprobenartig durchgeführt werden und somit nicht umfassend genug sind.

Blaue Schwalbe
Das von dem Reisemagazin “Anderswo” vergebene Siegel für Unterkünfte wird bereits seit 1989 an Hotels, Pensionen, Gasthöfe und Campingplätze in Deutschland vergeben, die sich durch ihre ökologische Grundausrichtung von anderen unterscheiden. Berücksichtigt werden dabei Unterkünfte in Deutschland, England, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Österreich, Polen und der Schweiz. Es handelt sich zwar um ein allgemein anspruchsvolles Siegel, das einzelne Nachhaltigkeitsaspekte wie regionales oder saisonales Essen bewertet, vom Siegel-Portal “label-online.de” wird das Siegel aber nur eingeschränkt empfohlen, da kein unabhängiges Kontrollsystem existiert - Siegelgeber*innen und Prüfer*innen sind identisch. Zudem wird so indirekt Greenwashing gefördert, da sich Unterkünfte durch eine Zertifizierung hervortun können, ohne wirklich über eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie zu verfügen. Bei der Blauen Schwalbe handelt es sich demnach um ein Einsteiger*innen-Siegel, das zwar gute erste Ansätze verfolgt, aber Betriebe zum Greenwashing verführen könnte. Für Verbraucher*innen heißt das: Augen auf bei der Buchung der Unterkunft, da mit den Blaue Schwalbe-Siegel auch nur einzelne Komponenten zertifiziert werden können, die eine Unterkunft noch lange nicht zu einer nachhaltigen machen.

ECOCAMPING
Wer gerne campen geht, sollte auf die europaweit bekannte und anerkannte Management-Auszeichnung ECOCAMPING achten. Diese begleitet Campingplätze auf ihrem Weg zu mehr Umwelt- und Naturschutz. Bisher gibt es 219 Campingplätze in 6 verschiedenen Ländern, die eine Auszeichnung erhalten haben. Das Managementsystem orientiert sich an der EG-Ökoaudit-Verordnung (EMAS) und stellt den gesamten Entwicklungsprozess eines Campingplatzes in den Vordergrund. Es geht vor allem darum, Energieeffizienz zu fördern, auf Ökostrom zu setzen, Wasser sparsam zu verwenden, die Luft rein zu halten und Abfälle zu vermeiden. Auch die Bevorzugung regionaler Dienstleister und Produkte, eine sanfte Mobilität mit Bahn, Bus und Fahrrad sowie eine umweltfreundliche Gestaltung der Freizeitangebote finden Berücksichtigung. Dieses Siegel gibt Urlauber*innen Orientierung, denn Campingbetrieben mit dieser Auszeichnung liegt wirklich ernsthaft etwas an der langfristigen Veränderung in den Bereichen Umweltschutz, Sicherheit und Qualität. Das sieht man unter anderem daran, dass Interessierte einen Maßnahmenplan zu den Zielen des Leitbilds von ECOCAMPING mit mind. 10 Verbesserungsideen für die nächsten 3 Jahre erstellen müssen, um eine Auszeichnung zu erhalten.

European Charter for Sustainable Tourism in Protected Areas
Bei der Charter handelt es sich um eine Auszeichnung der EUROPARC Federation für europäische Naturschutzgebiete, die sich für einen nachhaltigeren Tourismus einsetzen. Wer die Auszeichnung erhalten möchte, muss sich den Zielen der Charta verpflichten und bereit sein, gemeinsam mit den anderen Akteuren Strategien für eine zukünftige touristische Entwicklung des jeweiligen Schutzgebietes zu erarbeiten.  Bisher wurden 144 Schutzgebiete in 17 verschiedenen europäischen Ländern ausgezeichnet, dazu gehören auch die Nationalparks Frankenwald, Müritz und Harz.

Österreichisches Umweltzeichen für Tourismus
Bei dem Österreichischen Umweltzeichen für Tourismus handelt es sich um das allererste staatliche Ökolabel im Tourismus. Es wird vom Österreichischen Bundesministerium für Land und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft an Hotels, Campingplätze, Restaurants und Reiseveranstalter vergeben, die sich “ökologisch korrekt verhalten”. Darunter verstehen die Auszeichner ein begrenztes CO2-Kontingent, den Verzicht auf Kurzstreckenflüge unter 700 km bei weniger als einer Woche Aufenthalt sowie Kreuzfahrt im Allgemeinen. Wichtig zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass dieses Siegel allein die ökologischen Aktivitäten bewertet, soziale Komponenten spielen für die Auszeichnung keine Rolle, d.h., es wird z.B. nicht darauf geachtet, ob Angestellte auch gerecht bezahlt werden. Zudem finden sich auf der Website zwar Informationen über die Kriterien und Kosten der Auszeichnung, nicht aber über die Überprüfung der Zertifizierung. So bleibt unklar, inwieweit eine unabhängige Kontrolle der Siegelkriterien in den Unterkünften stattfindet.

Ibex fairstay
Das Steinbock-Label des Schweizer Tourismus Siegelbetreibers ibex fairstay lockt mit dem einprägsamen Slogan “Ferien mit Mehrwert”. Ausgezeichnet werden sowohl Hotels und Jugendherbergen als auch Ferien- und Tagungs- sowie Wellness- und Gesundheitseinrichtungen. Um das 3 Jahre lang gültige Siegel zu erhalten, müssen Betriebe sich von unabhängigen Auditoren in den Bereichen Regionalität, Soziales Engagement, Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Servicequalität überprüfen und bewerten lassen. Im Gegensatz zum Österreichischen Umweltzeichen für Tourismus werden hier also auch soziale Komponenten mit einbezogen, d.h., eine geschlechtergerechte Entlohnung wird garantiert und auch die Lieferanten werden fair bezahlt. Ibex fairstay bewertet die Unterkünfte je nach Ausprägung der Nachhaltigkeit (“Performancelevel”) mit einem bronzenen, silbernen, goldenen oder platinen Steinbock. So wird die Nachhaltigkeitsleistung messbar, überprüfbar und leicht kommunizierbar, wovon auch wir als Urlaubsreisende profitieren, da so auf einen Blick ersichtlich wird, wie gut der jeweilige Betrieb bereits performt.

Gastronomie

Wie wir im Urlaub essen, kann sich positiv oder negativ auf unsere persönliche Klimabilanz auswirken. Statt auch im Ausland traditionell deutsche Speisen wie Schnitzel mit Bratkartoffeln zu wählen, sind Gerichte aus lokalen Lebensmitteln vorzugswürdig. Solche findet man häufig in Restaurants etwas abseits der Touristenströme. So profitiert auch die lokale Bevölkerung von deinem Urlaub und i.d.R. greifst du so automatisch zu saisonalen Lebensmitteln, die keine langen Transportwege hinter sich haben. Das wirkt sich nicht nur positiv auf Umwelt und Klima aus, sondern auch auf den Geschmack der Speisen. Außerdem förderst du so nachhaltigen Ackerbau und trägst zum Erhalt lokaler Märkte bei und ganz nebenbei reduzierst du noch deinen ökologischen Fußabdruck (Reisezeilen).

Doch nicht nur die Lokalität spielt bei der Essensauswahl eine Rolle, auch die Ernährungsweise macht einen Unterschied. Wer vorwiegend zu vegetarischen, oder noch besser, zu veganen Lebensmitteln greift, spart eine Menge CO2 ein. Eine Scheibe Brot mit Käse bringt durchschnittlich 5,7 kg CO2-Äq. / kg auf die Waage, bei dem veganen Ersatz sind es hingegen nur 2,0 kg CO2-Äq. / kg. Ähnlich verhält es sich bei anderen pflanzlichen Produkten, besonders durch den Austausch von Butter mit Margarine kannst du eine Menge an CO2 einsparen (Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg). Natürlich sollte man nicht nur im Urlaub darauf achten, sich möglichst vegetarisch / vegan, saisonal und regional zu ernähren, aber vielleicht ist der nächste Urlaub für dich genau der richtige Zeitpunkt, um damit zu beginnen?

Neben der Lokalität und dem CO2-Fußabdruck, den Lebensmittel in der Produktion verursachen, wirkt sich auch die Wahl der Verpackung auf die Nachhaltigkeit deiner Ernährung aus. Versuche also auch im Urlaub, möglichst unverpackt einzukaufen.

Konsum vor Ort

Im Urlaub wird besonders gerne konsumiert, schließlich will man der Freundin ein Souvenir mitbringen - vielleicht diese tolle Schnitzerei oder die schöne Haizahn-Kette, die man auf dem Markt entdeckt hat. Noch schnell ein Wasser in der Einwegflasche kaufen und auf geht’s zum Wasserpark, der Spiel und Spaß für die ganze Familie verspricht.

Souvenirs
Konventionelle, für den Massentourismus produzierte Souvenirs wirken sich in vielerlei Hinsicht negativ auf unsere Umwelt aus. Zum einen handelt es sich bei vielen Souvenirs um illegale Produkte, die gegen Tierschutzrechte verstoßen. Laut Zollkriminalamt wurden allein 2015 rund 580.000 geschützte Pflanzen- oder Tierarten bzw. daraus produzierte Souvenirs beschlagnahmt. Neben dem dadurch verursachten Artensterben und Tierleid kommt es bei der Herstellung von billigen Touristenprodukten wie Anhängern, T-Shirts oder lustiger Magnetschildchen auch zu einer Ressourcenverschwendung. Es werden nicht nur Materialen für Produkte verschwendet, die im besten Fall ein paar Monate / Jahre später wieder auf dem Müll landen, sondern auch unnötige Transportwege verursacht, um die Produkte aus den Billiglohnländern um die ganze Welt zu fliegen (Careelite).

Plastikmüll

Viele Urlauber*innen hinterlassen bei ihren Reisen nicht nur Fußabdrücke im Sand, sondern vor allem eine Menge Müll, insbesondere Plastikabfall. Er sammelt sich an Meeresufern beliebter Urlaubsziele, zersetzt sich zu kleinen Partikeln und gelangt von dort aus in die Mägen von Meerestieren wie Albatrossen, Schildkröten und Fischen. Laut einer Studie des Fachmagazins Proceedings of the National Academy of Sciences wird sich die weltweite Kunststoffproduktion alle 11 Jahre verdoppeln (Herrmann 2016: 159). Bis 2050 werden 95 % aller Seevogelarten Plastik verschluckt haben (ebd.). Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass etwa 30 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen landen (Herrmann 2016: 160), also bis zu 18.000 Plastikteilchen pro Quadratkilometer Meeresoberfläche. Sichtbar seien davon aber nur etwa 15 %, der Rest sinkt auf den Meeresboden und bleibt unserem Auge verborgen (NABU).

Doch große Mengen des Mülls stammen nicht etwa von den Einheimischen, sondern von uns Touristen, und obwohl wir Mit- bzw. Hauptverursacher des Problems sind, wollen wir selbst nur ungern in Regionen reisen, die vermüllt sind. Müllfreie Städte und Wanderwege, intakte Tierwelten und sauberes Badewasser sind das Kapital des Tourismus - verschwinden sie, verschwinden auch die Touristen (Herrmann 2016: 162). Damit Touristen weiterhin von malerischen Stränden und traumhaften Berglandschaften angelockt werden können, müssen diese Landschaften gründlich gereinigt werden und das kostet Hotels, Gemeinden und Städte eine Menge Geld. Auch deshalb sind wir alle gefragt, wenn es um Müllvermeidung und korrekte Müllentsorgung geht. Zusammen können wir verhindern, dass es 2050 mehr Plastik als Fische in den Weltmeeren gibt (Ellen MacArthur Foundation).

Wasser(knappheit)

Während die einen zu wenig oder nur verunreinigtes Trinkwasser vorfinden, verschwenden andere hunderte Liter Wasser für Pools, Wasserparks und Golfplätze. Der Tourismus verschlingt so viel Wasser, dass für die Einheimischen nur ein kleiner Rest übrig bleibt. In manchen Hotels wie dem 5-Sterne-Hotel Riu Guanacaste in Costa Rica fallen täglich rund 600 Liter Wasser pro Gast (!) an (Herrmann 2016: 167). Das ist das Fünffache des durchschnittlichen Tagesverbrauchs. Noch eindrücklicher ist ein Vergleich des Wasserverbrauchs von Einheimischen und Touristen im indischen Goa: Hier verbraucht ein Tourist im 5-Sterne-Ressort 1.785 Liter Wasser pro Zimmer und Tag während die lokale Bevölkerung mit rund 14 Litern Wasser täglich auskommen muss (Brot für die Welt).


Während die Grundwasserpegel weiter sinken verbrauchten Touristen fröhlich weiter dutzende Liter an Wasser - und das nicht nur in der Unterkunft, sondern auch bei Freizeitaktivitäten und Ausflügen im Urlaubsland. Tourism Watch schätzt, dass dadurch noch einmal zwischen 10 und 875 Liter Wasser pro Übernachtung hinzukommen. Ändert sich nichts, wird sich der Wasserverbrauch im Tourismus bis 2050 fast verdoppeln und das obwohl bereits jetzt etwa 660 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu (sauberem) Trinkwasser haben (bpb) und 1,4 Milliarden Menschen mit nur wenigen Litern pro Tag auskommen müssen (Auswärtiges Amt). An diesem Ungleichgewicht zwischen Einheimischen und Touristen muss sich etwas ändern - auf individueller und politischer Ebene.

Kreuzfahrten: Warum eine Seefahrt nicht immer lustig ist

Noch bis vor wenigen Jahren galten Kreuzfahrten als luxuriöse Urlaubsmöglichkeit für Urlauber*innen mit dem nötigen Kleingeld. Doch inzwischen explodiert die Branche: 2015 gab es laut der Cruise Lines International Association 471 Kreuzfahrtschiffe und auch die Anzahl der Wiederholungsreisenden steigt. 2014 konnte die Branche einen Umsatz von 110 Milliarden Euro verzeichnen. Das Wachstum von 2010 bis 2020 liegt bei 77 % (Herrmann 2016: 64f). Auch vor Ort lässt sich der Aufstieg des Trends verfolgen: Allein in Hamburg verdreifachte sich die Zahl der Ankünfte von Kreuzfahrtschiffen auf 156 (ebd.).

Doch die großen wirtschaftlichen Erfolge gehen einher mit irreversiblen Klimaschäden, Niedriglöhnen und harten Arbeitsbedingungen. Zudem ist umstritten, ob die Branche überhaupt einen volkswirtschaftlichen Gesamtnutzen hat. Antje Monshausen, Tourismusreferentin bei Brot für die Welt, sagt dazu: “Es reicht nicht, allein einzelne vorbildliche Initiativen auf lokaler Ebene zu fördern, wenn gleichzeitig etwa der Kreuzfahrt-Tourismus Impulse für lokale Entwicklung geradezu sabotiert.” Unter der Kreuzfahrtindustrie leiden demnach nicht nur die Umwelt und Natur, sondern auch die Einheimischen bei den sog. Landgängen der Urlauber*innen.

Ölverschmutzung
Fast alle Kreuzfahrtschiffe werden mit Schweröl betrieben, einem Antriebsstoff, der hundertmal umweltschädlicher ist als Diesel (Planet Wissen). An Land darf dieser Kraftstoff gar nicht verwendet werden, da er 3.500 mal mehr Schwefel enthält als auf Europas Straßen erlaubt ist (Utopia). Dennoch fahren noch immer fast alle Kreuzfahrtschiffe mit Schweröl und verbrauchen davon durchschnittlich 150 Tonnen pro Tag. Sichtbar werden die gravierenden Umweltauswirkungen vor allem bei Unfällen, da sich der Ölfilm dann im Meer verteilt. Darunter leiden vor allem Tiere wie Schildkröten und Wasservögel. Laut dem NABU-Kreuzfahrtranking verzichten derzeit lediglich 3 Reedereien auf Schweröl: Ponant, Hapag-Lloyd Cruises und Hurtigruten.

Energie
Nicht die ganze Zeit über befinden sich die Schiffe auf hoher See, 40 % der Zeit liegen sie in Häfen. Während die Urlauber*innen auf Landgang sind und Souvenirs shoppen, laufen die Kreuzfahrtschiffe im Dieselbetrieb weiter. Dabei verbrauchen sie die Energie einer Kleinstadt (Herrmann 2016: 70). Tatsächlich gibt es dazu im Hamburger Hafen eine Alternative: Hier können die Schiffe während ihrer Liegezeit Landstrom beziehen und müssen nicht im Dieselbetrieb laufen (Utopia). Doch leider sind nur wenige Schiffe für die Versorgung mit Landstrom gerüstet, weshalb nur wenige von der nachhaltigeren Option Gebrauch machen. Zudem ändert die reduzierte Abgasbelastung an Land natürlich nichts an den Abgasen, die die Kreuzfahrtschiffe weiterhin munter auf See ausstoßen. Um diese auch außerhalb der Liegezeit mit sauberer Energie zu betreiben, braucht es Veränderungen an der Quelle, d.h. am Schiff selbst.

Luftverunreinigung
Auch die CO2-Bilanz von Kreuzfahrtschiffen ist miserabel. Zynisch formuliert könnte man sagen, wer mit dem Auto reist, ist im Vergleich sehr klimafreundlich unterwegs. In einer Vergleichstabelle der NABU lässt sich erkennen, wie viel umweltschädlicher ein Kreuzfahrtschiff im Vergleich zum Pkw ist. Ein einziges Kreuzfahrtschiff stößt genauso viel Schwefeldioxide (SO2) aus wie 376 Millionen Pkws. Es sorgt für genauso viel Feinstaub wie 1.052.885 Pkws. Dabei ist die hohe Abgasbelastung nicht nur für die Umwelt problematisch, auch für die eigene Gesundheit kann die “frische Seebrise” zum Problem werden. Verdeckte Messungen des Fernsehsenders France 3 ergaben, dass die Luft an Bord eines Kreuzfahrtschiffs deutlich schlechter ist als man bisher annahm: Die ultrafeinen Partikel lagen bei 380.000 cm3. Das ist das 200-fache des Werts, der in natürlicher Umgebungsluft gemessen wurde (NABU). Der gesamte CO2-Fußabdruck einer siebentägigen Mittelmeerkreuzfahrt beläuft sich laut dem WWF auf 1.224 kg pro Person (Herrmann 2016: 75). Den größten Anteil nimmt dabei die oft vergessene An- und Abreise per Flugzeug mit 685 kg ein. An Bord kommen dann noch einmal 439 kg für die Unterkunft und 79 kg für Verpflegung dazu sowie 21 kg für freizeitliche Aktivitäten (ebd.).

Ballastwasser
Ein weiteres ökologisches Problem, das weitaus weniger Beachtung findet als die CO2-Emissionen oder das Schweröl ist das sog. Ballastwasser. Damit wird Wasser bezeichnet, das von Kreuzfahrtschiffen be- und entladen wird, um ihre Stabilität zu optimieren. Dabei können invasive Arten eingeschleppt und Krankheitserreger und Mikroorganismen verteilt werden (Planet Wissen). Im schlimmsten Fall kann sich so ein ganzes Ökosystem verändern (Umwelt Bundesamt). 1991 wütete in Peru eine Cholera-Epidemie, die sich erst durch das im dortigen Hafen abgelassene Ballastwasser verbreitete. Die Epidemie führte zu 500 Toten und mehr als 100.000 Erkrankten (Planet Wissen).

Schiffsmüll
Auch Abwasser und Müll sind ein großes Problem an Bord von Kreuzfahrtschiffen. Es wird gewaschen, gekocht, geputzt, geschwommen, geduscht und, und, und. Dabei entstehen große Mengen an Abwasser und Abfall - etwa 35.000 Tonnen Abfall auf allen AIDA-Kreuzfahrtschiffen pro Tag?. (Herrmann 2016: 77).

Abgesehen von den vielen Tonnen an Abfällen und anderem Müll, die durch den individuellen Konsum der Urlauber*innen an Bord des Schiffs zustandekommen, birgt vor allem die Verschrottung der Kreuzfahrtschiffe große Umweltprobleme. Nach rund 20 Jahren hat ein Kreuzfahrtschiff ausgedient (Planet Wissen). Viele Reedereien entscheiden sich dann dafür, die Schiffe an Entwicklungsländer zu verkaufen, die diese zerlegen und die Schrottteile verkaufen. Andere landen auf sog. Schiffsfriedhöfen in Ländern wie Indien oder Pakistan, weit entfernt von den Ländern, in denen sie ursprünglich produziert wurden (ebd.). Dort werden sie ohne ausreichende Recyclingstandards und Sicherheitsmaßnahmen abgebaut, wobei Treibstoff, Plastik und Rost ins Meer gelangen und langfristig dem Ökosystem schaden.

Belastungen für Mitarbeiter*innen und Einwohner*innen
Neben den offensichtlichen Umweltschäden, die die Kreuzfahrtbranche verursacht, trägt sie indirekt auch die Schuld für wirtschaftliche und soziale Probleme. Denn von den Landgängen profitieren die Einheimischen nur bedingt. Da die Urlauber*innen an Bord des Schiffes speisen und schlafen, landet nur wenig Geld bei der lokalen Bevölkerung. Selbst Touren und Aktivitäten vor Ort werden meist bereits an Bord gekauft. Tourism Watch ergänzt, dass “mehr als 50 Prozent der touristischen Aktivitäten an Land [...] an Bord von den Kreuzfahrtgesellschaften direkt verkauft” (via Utopia) werden. Somit verbleibt der Großteil des Gewinns bei den Reedereien und Reiseveranstaltern.

Zudem sparen diese gerne hunderte Millionen Euro an Steuern durch die sog. Ausflaggung ein, indem unter anderer Flagge gefahren wird, d.h., das Schiff ist in einem anderen Land registriert, das nicht dem Heimatstaat des Schiffseigentümers entspricht (Die Zeit). Da die Arbeitsgesetze auf den Bahamas, Panama oder Malta deutlich lockerer sind, es keinen Mindestlohn oder Arbeitszeitbegrenzung gibt, schuften die Bordmitarbeiter*innen meist an sechs bis sieben Tage pro Woche.  Obwohl 2013 ein Mindestkodex, der die Arbeitszeiten und Unterbringung der Angestellten an Bord des Schiffs regelt, in Kraft trat, sind Arbeitszeiten von bis zu 14 Stunden täglich noch immer erlaubt.

Skiurlaub: Fiktion von Nachhaltigkeit

Jahr für Jahr zieht es begeisterte Skifahrer*innen in die Berge. Skifahren gehört zu den beliebtesten Wintersportarten der Deutschen. Laut dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft fährt jede*r siebte Deutsche Ski. Davon profitieren Tourismusregionen wie Ischgl, Kitzbühel und St. Moritz. Allerdings es schneit immer seltener, weshalb viele Skigebiete auf Kunstschnee zurückgreifen. Dem Bericht “Klimawandel in den Alpen” des Bundesumweltministeriums kann entnommen werden, dass die Schneefallgrenze pro Grad Erderwärmung um etwa 150 Meter höher liegen wird. Zudem steigen die Temperaturen in den Alpen stärker an als im Rest der Welt: Ein globaler Temperaturanstieg von 2 Grad bedeutet für die Alpen demnach einen Anstieg der Temperaturen um 3-4 Grad (Herrmann 2016: 184). Demnach wird zukünftig nur noch eins von zehn deutschen Skigebieten in den Alpen und im Mittelgebirge schneesicher sein - außer sie greifen auf klimaschädlichen Kunstschnee zurück.

Schneekanonen verbrauchen laut dem WWF viel Wasser, nämlich eine Million Liter Wasser pro Hektar, und Energie, zudem benötigt es für ihren Betrieb Speicherseen in Reichweite (WWF). Auch die Vegetation leidet unter der künstlichen Schneedecke, da diese verhindert, dass Sauerstoff an die Erde gelangt. Wildtiere können darüber hinaus von dem Lärm der Schneekanonen gestört werden, da diese in Betrieb etwa so viel Lärm verursachen wie eine vielbefahrene Straße. Viele von ihnen fallen einem Erschöpfungstod zum Opfer, da sie wertvolle Energiereserven einsetzen, um vor den Touristen zu flüchten (ebd.).

Neben dem Kunstschnee ist oft auch die An- und Abreise alles andere als klimafreundlich, da die meisten Urlauber*innen aus großen Entfernungen mit dem Auto anreisen.

Genaueres zur allgemeinen Klimabilanz von Flugzeug, Auto, Bus und Bahn erfährst du übrigens unter dem Punkt “An- und Abreise”.